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Nr. 111 Ph.J. Später an AM. Francke 23. 11. 1695
mittheilung in causa communi ein sonderbar gefallen 19 , und wolte darum gebeten haben; nechst dem muß Herrn D. Pfeiffern 20 antworten 21 : sonderlich weil hier auch vornehmen leuten beygebracht worden, den Wittenbergern
40 hätte wol antworten können 22 , gegen jenen aber könte nicht stehen. Ob ihres orts das vor 14 tagen heraußgekommene zuj auchtzen 23 hingekommen, weiß ich nicht: ich sorge mir von solchem scripto mehr ungelegenheit alß von denen, die meine feinde wider mich schreiben. Wie mir dergleichen unterschiedlich begegnet ist.
45 Unser wehrte Herr von Schweinitz 24 , wie er neulich an der Seelen durch einen vortrefflichen gnadenblick erquicket worden, also hat er bißher hingegen seines leibes Schwachheit desto mehr empfunden: so gar das er immer mit sterbensgedancken umgehet. Ich will aber hoffen, der Herr werde uns ihn widerum schencken, und ihn noch zu einem fernem werckzeug seiner gna-
5» den machen. Morgen hoffe ich solle durch Gottes gnade Herr Astmann seine anzugspredigt halten. 25 Er ist von seiner introduction an (ja es hatte schon
49 /widerum/. 50 Astmann ] Aßmann: D.
dividitur), 2. (Ratione Subjecti in Fidem) die von Spener genannte Unterscheidung der Christen in Incipientes, Proficientes und Adulti oder Perfecti. — Diese Unterscheidung nimmt auch Gesenius vor (Die ander Epistel—Predigt/ am andern Sontage in der Fasten/ Reminiscere. Aus 1. Thessal. IV. Von der Ermahnung S. Pauli/ daß wir Christen immer sollen voelliger werden. In: J. Gesenius, Epistel=Predigten auff die Sonn= Fest= und Apostel=Tage durchs gantze Jahr [...], Bd. 1 [1. Advent bis Invocavit], Braunschweig 1672, 422-429, hier 424f). - Arndt unterteilt das Leben des Christen dem mystischen Dreischritt folgend und in Anlehnung an die Lebensalter des Menschen in Buße (Kindheit), Erleuchtung (mittleres Alter) und Vereinigung (vollkommenes Alter) (J. Arndt, Das dritte Buch/ Vom Wahren Christenthumb. Vom inwendigen Menschen [...], Magdeburg 1620, Vorrede, [1-2]).
19 Der Nachweis, daß die Lehre von der Teilung der Christen in die genannten Klassen je nach dem Grad ihrer Vollkommenheit, die Alberti für den Hauptirrtum der Pietisten hält, in der lutherischen Tradition fest verankert sei, ist das zentrale Anliegen dieser Schrift Speners. Neben Olearius, Gesenius und Arndt zieht Spener Zitate von Luther und Justus Christoph Schoner heran (vgl. Spener, Gründliche Verteidigung [s. Anm. 12], 15—27.)
20 August Pfeiffer (s. Brief Nr. 55, Anm. 17).
21 Speners Antwort auf A. Pfeiffers Gerechte Sache [...] unter dem Titel „Rettung Der gerechten Sache kuenfftiger Hoffnung [...]" (s. Brief Nr. 107, Anm. 3).
22 Ph.J. Spener, Aufrichtige Ubereinstimmung - verfaßt als Antwort auf die von den Witten- berger Theologen herausgegebene Christ=Lutherische Vorstellung (s. Brief Nr. 107, Anm. 5 und 7).
23 Q.W. Petersen], Freudiges Zujauchzen Der Erwehlten Fremdlingen hin und her/ In Sachsen/ Brandenburg/ Lueneburg/ wie auch in andern umliegenden Koenigreichen und Provint- zien/ ueber den Sieg D. Speners wider die Theologen zu Wittenberg, o.O. 1695 (vgl. Grünberg Nr. 500).
24 Georg Rudolph von Schweinitz (s. Brief Nr. 30, Anm. 5).
25 Die Antrittspredigt Johann Paul Astmanns (s. Brief Nr. 110, Anm. 65) als dritter Diakon an St. Nikolai in Berlin datiert vom 24.11.1695 und ist im Anhang zu seiner Leichenpredigt veröffentlicht unter dem Titel Christliche Anspruchs=Predigt/ Uber das Evangelium des XXVII. Sonntags nach Trinit. aus Matth. XVII, 1-9. Von der Verklaehrung Christi/ [...] [Berlin 1700].