Nr. 117 PhJ. Später an AM. Fmncke 10.3. 1696

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folgen. 21 Welches ich auch Herrn D. Breithaupten 22 und Herrn L. Anton nechst freundlichen grußes zu ihrer nachricht anzudeuten [bitte] . 23 30

Dieses hatte gestern geschrieben auff Vorsorge, da nachmal abend deßen geliebtes empfangen. 24 Da dann sobald nur etwas weniges nöthig ist zu ant­worten. Wie nun geliebter Bruder meiner liebe und ich der seinigen ver­sichert, also werden wirs nicht miteinander verderben, ob wir auch vorein­ander also sorgen, das es anderseits zu viel deuchtet. 25 Gefahr also zu scheuen, 35 daß man böses thut, oder das gantz nötige gute unterlaßet, streitet wider den glauben, und ist auß fleischlicher vernunfft eingeben. Mit dem glauben aber stehet allerdings, die gefahren, so man vorher sehen kan, solang zu vermeiden, als keines gedachter dinge geschehen muß: auch das gute also einzurichten, wie es am wenigsten gefahr bringt: hingegen was über dieses Gott alsdann 40 uns zuschicket, wo wir von unser seit alles gethan haben, was Christlich ge­schehen könen, mit freudigen hertzen anzugehen und außzustehen.

Was derselbe wegen des beichtgelds meldet 26 , ist mir leid zu vernehmen: ich habe nie nöthig gehabt, beichtgeld zunehmen, weil es in Franckfurt nicht gebräuchlich, wünschte auch das alle prediger ohne dasselbe sich sustentiren 45 könten: wo es aber zu dem ordenlichen salario gerechnet wird, und sich die sache noch nicht insgesamt anders einrichten leßet, wünschete ich daß Christliche freunde mit außschlagung deßelben nicht sich selbs mangel zu zögen, und andern die gar nicht anders leben können, ihre scrupul ver­mehrten. 27 50

Zu dem göttlichen segen wegen der armen anstalten, 28 der mich hertzlich freuet, gratulire billich, und wünsche ferner göttlichen beystand. Was die

30 [bitte]: cj (Wort fehlt). 33 weniges ] + sobald: A [Dittographie]. 35 /also/. 42 an/zu/ gehen. 42 auß/zu/stehen. 45 /sich/. 46 und ( (..?).

21 Eine erneuerte Duell-Verordnung laßt sich erst für das Jahr 1713 nachweisen (vgl. Mylius 2, 4258). Daß es zu diesem Zeitpunkt (1696) offenbar tatsächlich zu einer schärferen Hand­habung des geltenden Edikts kam, belegt das Beispiel der Untersuchungen um die Ermordung des in Leipzig studierenden Jakob Springer aus Hamburg (vgl. Matrikel Leipzig, 434). Dieser war bereits am 23.10.1694 in Halle erstochen worden; da der Fall bis dahin nicht aufgeklärt worden war, wurde am 25.4.1696 eine neue Untersuchungskommission angeordnet (vgl. GStA PK, aaO [s. Anm. 20], Bl. 484-556).

22 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

23 Anton wurde von Spener zugleich direkt über die Angelegenheit informiert (vgl. Spener an Anton, 14.3.1696, AFSt/H C 146: 24 [Abschrift]).

24 Der zweite Teil des Briefes datiert also vom 10.3., der erste vom 9.3.1696. Im folgenden nimmt Spener auf den am 9.3. eingetroffenen Brief Franckes vom 7.3.1696 (Brief Nr. 116) Bezug.

25 Vgl. die außerordentlich scharfe, die persönliche Beziehung gefährdende Diskussion der Briefpartner um den Chiliasmus (s. Briefe Nr. 115, Z. 3-28 und Nr. 116, Z. 14-25).

26 S. Brief Nr. 116, Z. 43-47 und Anm. 21.

27 Francke verzichtete nach eigenen Angaben mit dem Beichtgeld auf die Hälfte seines Ein­kommens als Pfarrer (s. Brief Nr. 115, Z. 47-49).

2S S. Brief Nr. 116, Z. 126-138.