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Nr. 117 PhJ. Später an AM. Francke 10.3.1696
1000 thaler anlangt, weiß ich selbs den zuthäter nicht, es wäre dann derjenige selbs, der mit mir als in eines andern unbekanten nahmen redete 2y : und alß er
55 mich fragte, wie eine solche summe nutzlich angewandt werden möchte, ich ihre anstalt darzu vorschlug. Er ist aber verreiset, und möchte wol in etzlichen wochen erst von der reise widerkommen. Ich hoffe aber, das alßdann die Zahlung bald folgen werde, u. zwahr das capital selbs: da ich gleichwol ihn vertrösten muß, das es nicht nur bloß stracks außgegeben, sondern eine solche
60 anstalt darmit angehoben würde, die länger dauern möchte.
Mit Herrn Schaarschmiden meine, das die sache nun richtig sein werde 30 , dann also habens die letzte brieffe auß Königsberg, zwahr nicht an mich, mitgebracht 31 : so gar das bereits ein ander Studiosus, welcher bey einem guten freund in Königsberg 32 ist, hinwider an seine condition in liffland kommen
65 solle 33 . Achte also diese nachricht seye die neueste, und vielleicht an der gewißheit nicht viel zu zweifflen. Gott secundire es ferner, da es auß ihm, wie ich hoffe, ist, zu glücklichem außgang und vieler frucht. In deßen treue obhut segen und regirung samt geliebter Frau Gevatterin 34 , in dero sich der Herr auch zu vorstehender arbeit 35 mächtig erzeigen, und sie mit ihrer frucht
70 an leib u. seel stärcken wolle, treulich erlaßende verharre
Meines Hochgeehrten Herrn Gev[atters] und gelfiebten] Bruders zu gebet und liebe williger
Ph[ilippJ J[acob] Spener D. Mppria
Berlin den 10. Mart. 1696.
29 Offenbar hatte Carl Hildebrand von Canstein (s. Brief Nr. 143, Anm. 1) im Auftrag General Dubislav Gneomar von Natzmers (1654—1739) Spener die Spende angekündigt (vgl. Schicketanz, 31f; ders., Carl Hildebrand Freiherr von Canstein. Leben und Denken in Quellendarstellungen, Tübingen 2002 [Hallesche Forschungen, Bd. 8], 9—11; vgl. Briefe Nr. 115, Z. 45-48 und Anm. llf und Nr. 119, Z. 10-13).
30 Justus Samuel Scharschmidt (s. Brief Nr. 111, Anm. 5) sollte Pfarrer der lutherischen Gemeinde in Moskau werden (vgl. Briefe Nr. 111, Anm. 6 und Nr. 116, Z. 151—162). Er trat die Reise erst nach dem 23.4.1696 an (vgl. Scharschmidt an Francke, Koikel 23.4.1696, AFSt/H C 296: 9).
31 Uberliefert ist ein Brief Theodor Gehrs (s. Anm. 32) nach Berlin vom 5.3.1696, der die Information enthält, daß Scharschmidt nun nach Moskau gehe. Darin wird auch die im folgenden erwähnte Neubesetzung der Stelle in Livland thematisiert (Theodor Gehr an Spener (?) [ob die in der Akte hinter dem Brief befindliche Adresse Speners zu diesem Schreiben gehört, ist aufgrund der Einklebung der Blätter nicht eindeutig erkennbar], AFSt/H D 66: 357 [wohl Abschrift]).
32 Theodor Gehr (1663-1705), seit 1689 kurfürstlicher Holzkämmerer in Königsberg, Gründer eines Collegium pietatis, ab 1699 einer Schulanstalt nach Halleschem Vorbild, seit 1703 „Collegi- um Fridericianum" (Canstein/Francke, 941f [Personenregister]; J. Horkel, Der Holzkämmerer Theodor Gehr [...] [s. Brief Nr. 89, Anm. 9]; Hinrichs, 231f; Brief Nr. 163, Anm. 11). - Im Jahre 1694 war Scharschmidt Informator der Kinder Gehrs gewesen (s. Kramer 2, 54).
33 Informator der Kinder Gehrs und Nachfolger Scharschmidts als Hauslehrer bei Franz von Dahlen (Döhlen) in Koikel bei Riga (Dreyhaupt 2, 704) war nach Gehrs und Scharschmidts Angaben ein „Herr Otto" (Gehr, 5.3.1696 [s. Anm. 31]; Scharschmidt, 23.4.1696 [s. Anm. 30]). Vorname und Lebensdaten wurden nicht ermittelt
34 Anna Magdalena Francke (s. Brief Nr. 81, Anm. 24).
35 Die Geburt Gotthilf August Franckes (s. Brief Nr. 118, Anm. 9).