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Nr. 120 Ph.J. Spener an A.H. Francke 16.6.1696

von mehrern jähren, werde auch kürtzlich mir mit gewalt eine zeit abreißen um auff etzliche ihre schreiben 6 zu antworten: es wäre mir auch lieb, so

io wol sonsten und in andern dingen meine Christliche bereitwilligkeit ihr zu erzeigen, als auch absonderlich jemand der ihrigen eine weile um mich zu haben. Es will sich aber diesesmahl mit meinem hause nicht schicken 7 , und weil meine haußfrau 8 zu tragung ihrer last in der haußhaltung von mir die geringste hülffe oder erleichterung nicht hat, finde allerdings billich, das ihr

15 auch nichts deßen zumuthe, was ihr zur last dienen würde. Nur weil wir durch Gottes gnade jüngsthin der tischburschen 9 loß worden, die ihr bey 2 jähr viele mühe gemacht, so hat sie verlangen, einige zeit in ruhe zu sein, ohne jemand als die ordenliche haußgenoßen zuhaben: sonderlich achtet sie es gar nicht thunlich zu sein, einen einigen menschen an tisch zu nehmen,

20 in dem man entweder selbs einbuß leiden, oder dergleichen pretium setzen müßte, das man guten freunden nicht gern zumuthete, nach dem die victualia alhier in zimlichen hohem preiß sind. Daher wünsche soviel mehr, das der junge Herr Struve 10 zu der verhoffenden bibliothecariat stelle" gelangen, und anderen auffenthalts nicht bedörffen möchte. Solte er aber hieher kommen,

25 u. sonsten auff andre art denselben freundschafft erzeigen können, wäre darzu willig und parat. Der Herr führe ihn nach seinem rath.

Mit Herrn M. Graben habe erst einmal geredet 12 , ihm aber erst sonderlich Christfiani] Conscientiosi 13 send schreiben 14 von Christ[iano] Alethophilo 15

19 menschen + (zu). 21 zumuth/ete/ [unter der Zeile hinzugefugt]. 27 Graben] Greben: D.

alle Fest- und Sonntage durchs gantze Jahr [...] sich ziehren und schmuekken kan ec: aus der Schatzkammer goettliches Wortes genommen [...], Leipzig u. Weimar 1671. '' Nicht ermittelt.

7 Francke muß in seinem nicht überlieferten Brief (s. Anm. 2) um Unterbringung Burkhard Gotthelf Struves (s. Anm. 10), des Sohnes von Susanna Struve, bei Spener gebeten haben (vgl. bisZ. 26).

8 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).

9 Nicht ermittelt.

10 Burkhard Gotthelf Struve (26.5.1671-25.5.1738), geb. in Weimar; 1687 Studium in Jena, 1689 in Helmstedt, 1690 in Frankfurt/Oder; ab 1691 Aufenthalte in Halle, Holland und in Jena, wo er vor allem Arndts und Taulers Schriften las; 1697 Universitätsbibliothekar in Jena, 1702 Magister und Dr. jur. in Halle; 1704 Prof. der Geschichte in Jena, 1712 sachsen-weimarischer Rat, Historiograph des ernestinischen Hauses und ao. Prof. jur.; 1717 markgräflich-bayreuthischer Hofrat, 1730 Hofrat des Hauses Sachsen ernestinischer Linie und o. Prof. jur. (DBA 1243, 2377; ADB 36, 671-676; Jöcher 4, 892-894; Matrikel Frankfurt/Oder 2, 214). - Struve verfaßte zahlreiche historiographische und juristische Schriften.

11 Im März 1696 hatte sich Struve um die Stelle des verstorbenen Jenaer Universitätsbiblio­thekarsjohann Konrad Kummer beworben (vgl. ADB 36, 672).

12 Johann Ernst Grabe (s. Brief Nr. 99, Anm. 5) war im Mai oder Juni von Halle nach Berlin gekommen (vgl. Spener an Paul Anton, 17.11.1696, AFSt/H C 146: 27 [Abschrift]).

13 Johann Scheffler (Angelus Silesius; Christianus Conscientiosus) (25.12.1624-9.7.1677), geb. in Breslau; Studium 1643 in Straßburg, 1644 in Leiden und 1647 in Padua (1648 Dr. med.