Nr. 120 Ph.J. Speneran A.H. Francke 16. 6. 1696

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beantwortet 16 , zu lesen gegeben. Welches ich das beste halte, als je in ea materia gelesen habe, und unmüglich auch nur mit einem zimlichen schein von einem Papisten widerleget werden kan. Nach lesung deßelben hoffe, das wir kürtzer zu conferiren haben werden. Mich wundert nicht, das der gute mensch, der allezeit frommes u. stilles lebens gewesen, in diesen labyrinth gerathen, nach dem er von jugend auff sobald auff die papalia gewiesen worden, die die Wahrheit u. lehr auß der kirchen, nicht diese auß jenen beur- theilt haben wollen: dergleichen gantz abzulegen wird desto schwehrer, als weniger man gewohnt gewesen, die schrifft auß sich selbs und in dem liecht des Geistes zu verstehen. Der Herr aber wirds auch an seiner gnade zum sieg nicht manglen laßen: tringt nun diese bey ihm darzu durch, zu unsrer Kirche wider zutreten 17 , hoffe darvon nicht ein geringes zu auch anderer in Preußen wider zurechtbringung. Mit Herrn D. von Sanden 18 refutation 19 ist er gar

33f | in diesen labyrinth gerathen, nach dem er |.

und phil.); 1649 Leibarzt des Herzogs Sylvius Nimrod von Württemberg-Oels; Kontakt zu schlesischen Mystikern, u.a. Abraham von Franckenberg (15931652), und Studium der Schriften Jacob Böhmes (s. Brief Nr. 43, Anm. 19); 1652 Übersiedlung nach Breslau, 1653 Konversion zum Katholizismus (Taufname Johann Angelus), 1654 kaiserlicher Hofmedicus; 1661 Priesterweihe und Eintritt in den Minoritenorden; 1664 Rat und Hofmarschall des Fürstbischofs von Breslau, ab 1671 zurückgezogenes Leben im Stift der Kreuzherren in Breslau (DBA 1092; ADB 1, 453456; Jöcher 4, 234-235; RGG 4 1,483; Koch 4, 3-21; M. Brecht, Die deutschen Spiritualisten des 17. Jahrhunderts, in: GdP 1, 216-218; Th.C. van Stockum, Zwischen Jakob Böhme und Jo­hann Scheffler. Abraham von Franckenberg [15931652] und Daniel Czepko von Reigersfeld [1605-1660], MNAW. L 30 No.l, Amsterdam 1967). - Scheffler wurde nach seiner Konver­sion schroffer konfessioneller Polemiker. Zugleich gab er beeinflußt von protestantischer und katholischer mystischer Tradition Geistreiche Sinn- und Schlußreime zur GOETTLICHEN Beschaulichkeit anregend, Wien 1657 (ab 1675 unter dem TitelDer cherubinische Wanders- mann"), und die Liedersammlung Heilige Seelen-Lust oder geistliche Hirten-Lieder der in ihren Jesum verliebten Psyche, Breslau 1657, heraus. Schefflers Lieder wurden besonders im Pietismus rezipiert (vgl. E.O. Reichert, Johannes Scheffler als Streittheologe, Gütersloh 1967; M. Werner, Lieder Johann Schefflers in Zinzendorfs Christ-Catholischem Singe- und Betbüchlein, in: JLH 24, 1980, 102-110).

,A Christiani Conscientiosi Send=Schreiben An alle Evangelische Universitaeten/ in welchem Er seine Gewissens=Scrupel proponirt, und zu eroertern bittet. I. Ob Er in der Lutherischen Religion koenne seelig werden/ weil sie nicht die Catholische ist/ in der allein/ secundum omnes Doctores, die Seeligkeit zu hoffen? 2. Ob diejenige die Catholische sey/ die so genennet wird/ oder so die es nicht ist/ welche es dann sey?, o.O. [1670/71].

15 Johann Fischer (s. Brief Nr. 116, Anm. 52).

16 Q. Fischer], Christiani Conscientiosi Sende=Schreiben/ Darinnen er fraget: Ob Er in der Lutherischen Religion könne selig werden? etc. Beantwortet Von Christiano Alethophilo SS. Theol. Stud. [...], [Frankfurt a.M. 1674]. Zur Datierung der Erstausgabe vgl. Spener, Frank­furter Briefe 1, 808, Anm. 15.

17 Grabe trat zur reformierten Kirche über (vgl. Spener an Anton, 17.11.1696 [s. Anm. 12]).

18 Bernhard von Sanden d.Ä. (4.10.1636-19.4.1703), geb. in Insterburg; 1653 Studium in Königsberg (1659 Magister), 1661 in Leipzig (1662 Leipziger Magister); Reise durch Deutsch­land, die Schweiz, Holland, Frankreich und England; 1664 Diakon in Königsberg (Löbenicht), 1667 Kaplan (Altstadt); 1675 ao. Prof. theol. und Dr. theol.; 1679 Pfarrer der Altstadt und Assessor