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Nr. 120 Ph.J. Späterem A.H. Francke 16. 6. 1696
nicht zu frieden, da er hingegen meinet, das durch die meinige 2 " der Herr ihn mehr gerühret habe. Ist mir abermal ein erfreuliches zeugnus, daß was mit liebereichem hertzen geschrieben wird, und ohne bitterkeit bleibet, vor
45 andern schrifften krafft u. segen habe.
Von meines Sohns 21 u. Herrn M. Ciauders 22 reise gebe auch zur nachricht, das sie durch Gottes gnade nach Riga wol angekommen seyen 23 , nun erwarte, ob die reise förter gehen, oder sie sich zurück zu verfügen noth haben werden. Mein Sohn hatte bereits unterschiedliche wochen vor der reise einen
so zimlich starcken husten, der ihn incommodirte, das wir auch deswegen die reise auffzuschieben gedachten, er ließ sich aber den husten nicht irren, weil er den vorigen gantzen Sommer dergleichen auch gehabt hätte. Es mehrte sich aber derselbe auff der reise, und die medici unterwegens urtheilten ihn vor einen anfang der phthiseos 24 : hingegen als er nach Königsberg kam, u.
55 so matt war, das er keine 1/8 stunde stehen konte, versicherte ihn dasiger medicus 25 , das der husten nicht von der lunge sondern magen herkäme: auff deßen medicamenta er sich auch bald etwas beßer befand: Jedoch continuirte der husten noch immer sonderlich auff dem rauen weg nach Riga, das er noch mit letzten brieff 26 über husten, hitz u. mattigkeit klaget: der medicus 27
60 aber stimmet mit dem Königsbergischen ein, u. meinet mit Gottes hülffe ihn in etlichen wochen wider gesund dar zustellen. Daran nun, ob der Herr es mit der gesundheit beßern, oder die Schwachheit anhalten laßen wird, liget die entweder fortsetzung oder abbrechung der angetretnen reise. Der Herr zeige uns also seinen willen, und laße uns denselben gehorsam folgen:
50 /husten/. 53 der/selbe/: der(..?). 53 /ihn/: (denselben). 54f | u. so matt war, das er keine 1/8 stunde stehen konte, |.
des samländischen Konsistoriums, 1682 o. Prof. theol., 1688 Prof. theol. Primarius und Oberhofprediger, 1690 Inspektor aller Kirchen in Preußen, 1701 Bischof (DBA 1078, 396-401; ADB 30, 342-343; Jöcher 4, 115-117; Matrikel Leipzig, 377).
19 B. v. Sanden, Beantwortung der Dubiorum Joh. Ernesti Graben, in welchen die Evang.- luth. Kirche des Schismatis und einiger Ketzereyen beschuldiget wird: nebst einer Vorrede, Königsberg 1695.
20 Ph.J. Spener, Der Evangelischen Kirchen Rettung von falscher Beschuldigung (s. Brief Nr. 99, Anm. 5).
21 Wilhelm Ludwig Spener (s. Brief Nr. 16, Anm. 7).
22 Israel Ciauder (s. Brief Nr. 116, Anm. 58).
23 Wilhelm Ludwig Spener und Ciauder waren offenbar am 28.5.1696 aus Königsberg abgereist (vgl. Theodor Gehr an Spener, 4.6.1696, AFSt/H D 66: 315-319).
24 tpöiCTta = Schwindsucht, Auszehrung.
25 Johann Gottsched (Juli 1668-10.4.1704), geb. in Königsberg; 1691 Arzt in Bartenstein in Preußen, 1694 Lic. med. und ao. Prof. med. in Königsberg, 1701 Dr. und o. Prof. med., 1702 Magister und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin (DBA 411, 1-5; Jöcher 2, 1096; Zedier 11, 417; vgl. Theodor Gehr an Spener, 4.6.1696 [s. Anm. 23]).
26 Nicht überliefert.
27 Wohl Johann Anton Söldner, der als Dr. med. in Riga, ab ca. 1700 in Altona praktizierte und 1698 die Tochter Johann Fischers heiratete (DBA 1192, 127; vgl. Brief Nr. 143, Z. 17-20).