Nr. 121 Ph.J. Speneran AM. Francke 30. 7. 1696

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an sein seliges end und in solcher erlösung selbs erzeigte unzähliche gute, also auch vor den uns an ihm die kurtze zeit seines lebens und nunmehr über 15 ihn ertheilten trost, in dem er uns seinen willen kräfftig erkennen laßen, daß wir nichts anders als ihn zugeschehen verlangen, und nur bitten wollen, daß er des Seligen eiffriges gebet an uns allen, sonderlich seinen hinterlaßenen brüdern 9 , ferner erhören, seine vermahnungen und exempel in ihre hertzen tieff eintrucken, und etwas des Geistes, der über ihm geruhet, auch auff sie 20 legen wolle. Darzu ich einige hoffnung habe.

Was von dem gesegneten fortgang ihres paedagogii und anderer anstalten vernehme 10 , freuet mich hertzlich, und ruffe mit ihnen den Himmlischen Vater demüthigst an, welcher die schöne blüth zu reicher frucht fortführen wolle 11 : ja er laße allerorten das gute kräfftig durchtringen, immer neue 25 zeugnußen zusehen, daran wir unsren glauben stärcken, und seinen nahmen hertzlich preisen. Der wehrten Frau Gevatterin verlangen, das einmal ihres orts kommen und wir uns an einander ergötzen möchten 12 , ist wol auch das meinige; ich sehe aber darzu noch keine gelegenheit auch auffs künfftige, in dem ich keine gnugsame ursach vor mich vorschützen könte, und doch 30 auch dahin von den obren nicht gesandt werde. Wo aber nicht sonderlichen beruff habe, könte mich auch wenig segens getrösten. Also muß auch dieses unser verlangen und meine wege auff das künfftige der allein weisen gött­licher leitung befehlen, mit dem vorsatz weder mich derselben zu entziehen, noch vorzulauffen. 35

Im übrigen weil jetzt in Franckfurt am Mayn ein Lateinisches scriptum 13 , so mir ein unbekanter, so Johannes Henrici 14 heißen solle, zugeschickt, und er darinnen mich gegen Herrn D. Pfeiffern vindicirt 15 , getruckt wird, habe

14 /in/. 16 er/theilten/ : er(zeigten). 30 /vor mich/.

9 Philipp Reinhard (s. Brief Nr. 18, Anm. 27), Christian Maximilian (s. Brief Nr. 21, Anm. 8), Jakob Karl (s. Brief Nr. 133, Anm. 17) und Ernst Gottfried (1688-1715) Spener.

10 Vermutlich hatte Francke in seinem nicht überlieferten Brief (s. Z. 912) selbst von der Entwicklung der Glauchaer Anstalten berichtet.

11 Vgl. Strophe 2 des 1604 von Martin Behm (1557-1622) gedichteten LiedesWie lieblich ist der Maien" (EG Nr. 501).

12 Anna Magdalena Francke hatte diesen Wunsch wohl in ihrem nicht überlieferten Brief (s. Z. 9-12) geäußert.

13 J. Henrici, Vindiciae dicti Salvatoris nostri Luc. XIIX, 8. oppositae D. AUGUSTI PFEIF- FERI, [...] justae (ita dictae) causae cum praefatione D. PHILIP. JACOBI SPENERI, in qua occasione Gerh. Craesi Historiae Quackerianae, eorum quae hactenus circa Studium pietatis, pietismi nomine incusatum, contigere historia, commodo inprimis exterorum, brevibus enarratur, Frankfurt a.M. 1697.

14 Wohl Pseudonym für Johann Wilhelm von der Lith (s. Brief Nr. 160, Anm. 8; vgl. Deut­sches Pseudonymen-Lexikon, hg. M. Holzmann u. H. Bohatta, Wien, Leipzig 1906 [Ndr. Hildesheim 1989], 125).

15 August Pfeiffer (s. Brief Nr. 55, Anm. 17) hatte zuletzt dieGerechte Sache, Welche wider Tit. Hn. D. Philipp. Jac. Spenern Verthaediget [...] wird [...]" (s. Brief Nr. 107, Anm. 3) ver­öffentlicht.