Nr. 133 Pli.J. Spener an A.H. Francke 23.3.1697

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ihm getrachtet, die starcke impression von dem puncten der castigation der mägdgens zu benehmen: muß nun sehen, ob wirs noch auff eine commission bringen könen K .

Die predigt aber vergangenen Sontag y hat nicht viel gutes zu der sache con- tribuiret: wann nicht allein von der außführung Christi vieles geredet worden, da man vermuthen mögen, das er die application auff sich gemacht haben wolte, sondern er hat bey dem weinenden geleit der töchter von Jerusalem 1 " auch seiner und die über ihn ihren lehrer auß mitleiden betrübt wären auß- trücklich meidung gethan, und den töchtern von Berlin eine ernste buß- predigt gehalten. Letzlich betete er den gantzen 22. psalm an statt des gebets. Hierüber haben sich unterschiedliche auch ihn liebende seelen gestoßen, darvor haltende, das er zu dieser zeit seiner Sache auff der cantzel nicht ge- dencken sollen. So bin selbs der meinung, wo der psalm vor der predigt wäre recitirt worden, hätte es sich wol geschickt, den gemüthern die ideam des leidens Christi vorzustellen: wan er aber zum Schluß gemacht worden, kan er nicht anders angesehen werden als ein gebet: und wird daher dahin gezogen, das er Christi gebets wort von sich gebraucht, und sein leiden mit den Worten von dem leiden des Herren beschrieben habe. Dieses schwächet meine hoff- nung sovielmehr, das er sich in solche Ordnung bringen laßen werde, das seine sache etlicher maßen gut gemachet werden könte. Wir müßens aber dem Herren überlaßen und befehlen, als eine sache, die mehr u. mehr in den stand gerath, worinen menschenhülffe gar nichts vermag, sondern der außschlag von seiner H. weißheit u. allmacht allein zuerwarten ist. Sie werden ihres orts nicht müde werden in solchem gebet uns bey zustehen und kämpffen zuhelffen, so das einige noch übrig ist. Hiermit der heiligen obhut Gottes mit gantzen lieben hause erlaßende verharre

Meines Hochgeehrten Herrn Gev[attern] und Bruders zu gebet u. liebe williger

Philipp Jacob Spener D. Mppria Berlin den 23. Mart. 1697.

20 /auff sich/. 38 uns ( und(?).

der Züchtigung der Mädchen (s. Brief Nr. 131, Z. 23-40 und Anm. 7) beschlossen hatte. Spener solle Schade nahelegen, selbst um die Entlassung und den Weggang von Berlin zu bitten - dann bekomme Schade 200 Reichstaler Gnadengehalt. Andernfalls werde er öffentlich removiert.

7 Nicht ermittelt.

8 Tatsächlich kam es im Mai 1697 zur Einsetzung einer Untersuchungskommission (vgl. Brief Nr. 137, Z. 5-11 und Anm. 2).

9 21.3.1697, Sonntag Judica.

10 Lk 23,27ff.