498 Nr. 133 Ph.J. Spener an A.H. Framke 23.3.1697
133. Ph.J. Spener an A.H. Francke
Berlin, 23. März 1697
Inhalt
Hofft, daß Francke von Berlin gut zurückgelangt ist. Johann Caspar Schades Entlassung aus dem Amt läßt sich offenbar nicht mehr aufhalten. Informiert über weitere Zuspitzung der Situation durch Schades letzte Predigt und Verwendung des 22. Psalms. — [Werner Christian] Stock und [Wolfgang Balthasar] Rauner verlassen Berlin. — Jakob Karl Spener kommt nach Halle.
Überlieferung
A: AFSt/H A 125: 66
D: Kramer, Beiträge, 367-368
Von unsrem liebsten Jesu alle seiner leiden Verdienste und seines lebens krafft!
In demselbigen hertzlich geliebter Bruder, Hochgeehrter Herr und Gevatter.
Gleich wie wir mit freuden die glückliche ankunfft in Treuen Briet- 5 zen vernommen haben, also hoffen wir übermorgen dergleichen selbs auß Halle 1 , und zwahr das auch alle liebe freunde in gutem zustand mögen angetroffen worden sein, also der eingang gleich ursach der dancksagung mit gebracht habe. Weil aber verlangt worden, mit jeder post den zustand Herrn M. Schadens sache zuberichten, so kan noch nichts schreiben, was freude 10 bringen könte. Herr Ober Praesidfent] von Danckelman 2 hat an die Frau Feldmarschallin von Spaen 3 geschrieben 4 , das er mit Herrn von Fuchs 5 in der sache einerley meinung habe, und also das Herr Schade seines dienstes loß gehen würde, ob wol mit anhang einer gewißen sustentation biß auff fernere Versorgung. 6 Ich habe aber heut auch wider an ihn geschrieben 7 , und
6 /das/. 8 habe ( haben. 11 Spaen ] Sparn: D.
1 Francke war auf Speners Bitten (vgl. Briefe Nr. 131, Z. 42-46 und Nr. 132, Z. 3-5) nach Berlin gereist, um mit Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12) zu sprechen. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt offensichtlich auf der Rückreise; das Datum der Ankunft in Berlin ist nicht überliefert.
2 Eberhard Christoph Balthasar von Danckelmann (s. Brief Nr. 13, Anm. 8).
3 [Dorothea (?)] von Spaen (s. Brief Nr. 109, Anm. 4).
4 Nicht ermittelt.
5 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).
fi Zuvor war ein Versuch Speners, die Angelegenheit direkt über den Kurfürsten zu regeln, gescheitert. Anfang März hatte er sich an den Landesherrn gewandt mit der Bitte, Schade vom Amt des Beichthörens zu befreien (GStA PK HA II, Rep. 47, Nr. B4, Fase. 18, Bl. 18-19 r ; vgl. Aland, Spenerstudien, 134f). Aus der über von Fuchs am 18.3.1697 mitgeteilten Antwort (aaO, Bl. 20-21 r [Konzept]) geht hervor, daß der Kurfürst bereits die Dimission Schades vor allem wegen