502

Nr. 134 Pli.J. Später an A.H. Fmncke 27.3. 1697

einige hoffnung ihn hier zu behalten übrig seye, daß ich ihm zu keiner re- signation rathen, sondern vielmehr alle mittel mit ergreiffen wolte zu seiner conservation, und wenn er selbs sich resolviren könte, bey Sfeiner] Churfjürs-

20 tlichen] Durchlaucht 8 einzukommen, und um die von mir vorgeschlagene commission 9 auch anzuhalten, nach dem er ja noch nicht gehöret, so könte ich solches auch secundiren, und erlangte neue hoffnung: ließe er aber selbs diese gantz fallen, oder entgienge solche insgesamt, so wolte so wol rathen als hertzlich bitten, das er das eine ergriffe, nemlich seine dimission selbs zu-

25 suchen, und darmit die auff den Weigerungsfall bereits gesetzte öffentliche remotion 10 abzuwenden: wormit er sein gewißen nicht verletzen, hingegen anderer gewißen sehr zustatten kommen würde. Ich erböte auch, wenn er einige zeit zu bedencken verlangte, solche auff mich zu nehmen, und nur erst ein responsum dilatorium voran abgehen zulaßen." Wie aber der liebe

30 mann nichts resolviren kan, also ließen wir ihn nach hause, das als gestern wider mit ihm reden und seiter einiger treuer freunde gutachten vernehmen wolte. Aber gleich gestern frühe schriebe er einen brieff an mich 12 , mit diesen worten: weil er das verhengnus über sich mit danck gegen Gott angenommen, bete er mich disfals nicht weiter zu bemühen, oder ihn länger auffzuhalten,

35 sondern dieses eintzige noch gegen ihn zuthun, bey erster post an Churfjürs- tliche] Durchlaucht seine unterwerffung ihres schlußes zu berichten, das seine es heiße nun dimission oder remotion plenarie erfolgen möge: darzu er sich ja bereits in seiner antwort, wo nicht absolutio und administratio S. coenae zugleich abgenommen werden könte, willig dargestellet, aber nach jetzigen

40 zustand seines gewißens nicht selbs könne darum solicitiren. Worauff er starck treibet, das man ihn doch ja nicht lang alhier aufmalten möchte, welches ihm bedencklich u. unerträglich fallen würde. Als ich auch noch gestern abend wider mit ihm darvon redete, konte kaum erhalten, das ich diese heutige post nur dilatorie antworten möchte 13 , aber die nechste seine resolution wie

45 ich wolte positive zur endschaft der sache überschreiben solte 14 . In diesen terminis stehet die sache jetzo, und muß bei hoff dieselbe schon so bekant worden sein, das andre es bereits auch hieher geschrieben, in dem es leut Herrn Schaden selbs schon gesagt, die es doch von mir nicht haben: darauß

18 rathen + (wolte). 32 /mit diesen worten:/ : (und). 38 S. J L.: D. 58 /dissens/.

8 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11). ,; S. Brief Nr. 133, Z. 16f und Anm. 8.

10 Vgl. den Inhalt des kurfürstlichen Schreibens vom 18.3.1697 (s. Brief Nr. 133, Anm. 6).

" Am 30.3.1697 teilte Spener dem Kurfürsten mit, daß Schade noch Bedenkzeit für die Entscheidung über seinen Weggang benötige (GStA PK HA II, Rep. 47, Nr. B4, Fase. 18, Bl. 22-23 v ; vgl. Aland, 135f).

12 Nicht überliefert.

13 S. Anm. 11.

14 Der Vorgang nahm durch die unerwartete Ankündigung einer Untersuchungskommission (s. Brief Nr. 136) eine andere Wendung.