Nr. 134 Ph.J. Späterem A.H. Franckc 27. 3. 7697

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erhellet, das man daselbs die sache schon fest gesetzt haben muß, und also nichts mehr wird außzurichten sein. 15 Der Herr seye doch selbs rath, da es an allem menschenrath gebricht, auffs wenigste aller derselbige unzulänglich ist. Vielleicht gibt gelfiebten] Bruders schreiben, welches ich übermorgen erwarte 16 , mir auch noch einiges Hecht, was zuthun. Wie ich denn um nichts weiter und mehr bekümmert bin, als das göttlichen willen an mich, wie mich in der sache zuhalten, mit gewißheit erkennen möchte.

Was im übrigen wegen deßen in seinem geliebten erinnert wird, daß ich meinen dissensum publice contestiret habe 17 , nehme solches freundlich auff, als der anderer freunde, so sie mit mir nicht einig, dissens wol tragen kan: bekenne aber, das noch nicht sehe, wie auff die stunde anders verfahren könte: und bin ich zwahr nicht in abrede, daß Herr gehfeimer] R[ath] von Schweinitz 18 mir auch darzu gerathen, neben ihm auch alle gute freunde, die mit mir redeten, aber ob mit keinem darvon geredet, so könte ich die sache nicht anders begreiffen, als das nothwendig dergleichen thun sollen. Denn das ich mit Herrn Schaden in unterschiedlichem, so er gethan, nicht einig, und ich unterschiedliches so er vorgenommen, nicht billichen kan, ist offenbahr. Da mir nun zu meinem praejudiz und erweckung neuer argwöhn gegen mich imputirt wurde, daß ich mit Herrn Schaden gantz einstimmig und in gleicher schuld wäre (wie sich Herr Propst Lütke 19 außtrucklich dar­über beschwehret, das ich Herrn Schaden in nichts unrecht geben wolte) war ja kein ander mittel, der imputation, die bey sovielen eingeseßen war, und die mir gleichwol nachtheilig, zubegegnen, als das klahr zeigte, worinen ihm recht oder nicht recht gebe. Dardurch bin ich nur etzlicher maßen gerettet, Herrn Schaden hingegen kein ander nachtheil entstanden, als das ich darinen nicht auff seiner seite stehe, welches die Wahrheit ist. Wie ich auch hingegen meiner seits nicht verlange, das von niemand weiter vermuthet werde, es mit mir zuhalten, als es wahrhafftig ist. Hingegen ist offenbahr bekant, wie ich sovieles tragen muß, das mir von allen Seiten, was andre thun oder darvor halten, als das auch theil daran hätte, beygemeßen wird, da die nothwendig- keit der Wahrheit selbs erfordert mich distinete zuerklähren.

62 /aber/ : (sondern). 64 /Herrn Schaden/ : (ihm).

15 Ab Anfang April gingen am Hof mehrere gegen den bekannt gewordenen Plan, Schade aus seinem Amt zu entlassen, votierende Eingaben ein (vgl. Brief Nr. 136, Anm. 6).

16 Das nächste überlieferte Schreiben Franckes an Spener datiert vom 30.3.1697 und traf, wenn es mit der regulären Post befördert wurde, am 1.4.1697 in Berlin ein (Brief Nr. 135).

17 Nicht überliefert. Die Bemerkung bezieht sich auf Speners Schreiben an den Magistrat vom 1.3.1697, in dem er sich in mehreren Punkten von Schade distanziert hatte (vgl. Brief Nr. 132, Anm. 10).

18 Georg Rudolph von Schweinitz (s. Brief Nr. 30, Anm. 5).

19 Franz Julius Lütkens (s. Brief Nr. 44, Anm. 38).