Nr. 135 AM. Francke an Ph.J. Spener 30. 3. 1691
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135. A.H. Francke an Ph.J. Spener
Glaucha, 30. März 1697
Inhalt
Ist von Johann Caspar Schades Bitte um Entlassung nicht überrascht. Justinus Toellner hat Schade von seinen Erfahrungen geschrieben. Rät, den Kurfürsten genauer zu informieren, die Sache möglichst hinauszuzögern und im Fall des Nichteinlenkens die Verantwortung aus Gewissensgründen abzugeben. — Sendet Nachricht von Peter Kalkberner.
Überlieferung
A: AFSt/H D 66: 341-342 D: Kramer, Beiträge, 371—372
Aus dem Creutz unsers Herrn Jesu Christi Ruhe, Trost und göttlichen Frieden!
Theurester Vater in demselben, und Hochwehrtester Herr Gevatter,
Uber des Herrn Schaden Antwort auff die ihm gethane Vorstellung habe ich mich nicht verwundern können 1 , weil sein Gemüth also gäntzlich dis- poniret gefunden, daß er nichts mehr als die gäntzliche Befreyung vom Amte verlanget, und alles was ihm begegnet anders nicht als eine Straffe Gottes ansiehet, daß er der Stimme des Herrn nicht eher gefolget, das Amt fahren zu lassen. Nun hat Herr Töllnei~ jüngst gar nachdrücklich geschrieben 3 und ihn ermahnet, alles zu thun was müglich damit er hernach keine Verantwortung habe in seinem Gewissen. Hat ihm auch sein eigen Exempel vorgestellet, daß er sich jetzo sonderlich daher beruhiget finde, weil er mit willen und wissen nichts unterlassen. 4 Hat nun das bey ihm keinen effect, so wird er auch schwerlich mir oder einem andern folgen. Jedoch habe ein Schreiben an ihn beylegen wollen. 5 Der Herr regire es dann nach seinem Wolgefallen.
1 Schade hatte Spener am 26.3.1697 mitgeteilt, daß er seiner sofortigen Dimission zustimme (s. Brief Nr. 134, Z. 31-42).
2 Justinus Toellner (s. Brief Nr. 36, Anm. 17).
3 Nicht überliefert.
4 Toellner war 1696 vom Leipziger Konsistorium wegen der Verweigerung von Absolutionen seines Amtes als Pfarrer in Panitzsch enthoben worden (vgl. J. Toellner, Christliche Abschieds=R- ede eines um der Wahrheit und um seiner redlichen Amt=Treu willen abgesetzten Evangelischen Priesters an seine gewesenen Zuhoehrer [...], Halle 1697; ders., Unrechtmaeßige Absetzung das ist Außfuehrliche und deutliche Beschreibung dessen, wie man nemlich etliche Jahr her mit ihm um der Wahrheit willen sehr uebel umgegangen [...], Glaucha an Halle 1697).
5 Nicht überliefert.