Nr. 136 Ph.J. Speneran A.H. Francke 14.4.1697

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richtet werden solte 7 . Es machet mir diese unvermuthete änderung die hoff- nung, daß uns der liebste Vater [ihn] widerum schencken wolle: Nun wird 15 alles allein daran gelegen sein, wie er ihn selbs regiren wird, das er sich bey der commission auch so bezeuge, daß die sache nicht etwa schlimmer werde. Dann solte entweder die commission (darzu die personen" noch nicht weiß) ihm widrig fallen, oder er sich nicht also accommodiren, wie es nöthig und thunlich sein wird, also das der spruch darnach wider ihn fallen müßte, so 20 würde es übler sein, als wo es jetzo bey der auff seine declaration erfolgten dimission geblieben wäre. Wir müßen aber die sache soviel hertzlicher und beständiger dem Herrn selbs zu seiner regirung empfehlen, das er sie regire, wie es zu seinen H. ehren, und seiner Kirchen, sonderlich alhier, bestem und erbauung am ersprießlichsten ist. Er ist der Herr, und uns kommet zu, uns 25 seinen willen in allem gefallen zulaßen, ja ihn über alles zu preisen.

Im übrigen ist Herr L. Birnbaum 9 jetzo bey mir, und gestern hergekom­men, hoffe mich einige tage mit ihm in der forcht des Herren zu ergötzen. Der gute Mann hat auch seine laurer in Sachsen, die ihm nach vermögen nachstellen 10 ; doch wird der liebe Gott auch wißen, es mit ihnen recht zu- 30 machen. In deßen treue obhut und segen denselben mit gantzem hauß hertz­lich erlaßende verharre

Meines Hochgeehrten Herrn Gevjattern] u. gel[iebten] Bruders zu gebet und liebe williger

Philipp Jacob Spener D. Mppria 35 Berlin den 14. Apr. 1697.

Herren Herren M. August Hermann Francken Graecae und Orientjalium] Linguarum profess[ori] publfico] ord[inario] und pastori zu Glauche Halle

15 [ihn]: cj (Wort fehlt).

Entscheidung für Schades Amtsentsetzung spreche gegen den guten Ruf der brandenburgischen Religionspolitik und damit auch der Universität Halle (GStA PK HA II, Rep. 47, Nr. B4, Fase. 18., Bl. 3738). Am 3.4. plädierten mehrere Magistratsmitglieder nicht nur für das Verbleiben Schades im Amt, sondern auch dafür, den Beichtzwang abzuschaffen (aaO, Bl. 2527 v ). Am selben Tag gingen Bittschriften von 12 Mädchen und 10 Jungen für Schade als ihren Lehrer und Seel­sorger ein (aaO, Bl. 30-33 r bzw. 3436'). Ebenfalls vom 3.4. datiert die Eingabe des nach eigenen Angaben durch die Predigt Schades vom Katholizismus zur lutherischen Konfession konvertierten Gottfried Wolkenstein (aaO, Bl. 29; zu den Eingaben vgl. Obst, 66-69).

7 Zur Einsetzung der Untersuchungskommission s. Brief Nr. 137, Anm. 2.

8 Zu den Kommissionsmitgliedern s. Brief Nr. 137, Z. 6-10 und Anm. 3 bis 11.

9 S. Anm. 1.

10 Nicht ermittelt.