510 Nr. 137 Ph.J. Spener an AM. Branche 12.5.1697
137. Ph.J. Spener an A.H. Francke
Berlin, 12. Mai 1697
Inhalt
Kurfürstlicher Befehl zur Einsetzung der Untersuchungskommission wegen Johann Caspar Schade ist eingetroffen. — Hat Johann Wilhelm Petersen dessen Manuskript im April gesandt.
Uberlieferung
A: AFSt/H A 125: 69
D: Kramer, Beiträge, 373-374
Von unsrem zur rechten des Vaters erhobenen EhrenKönig Jesu gnade, friede, geist, leben und sieg!
In demselben hertzlichgeliebter Bruder, Hochgeehrter Herr Gevatter.
Weilen in Herrn M. Schadens sache seither nichts vorgegangen, also habe auch nichts schreiben könen. 1 Heut aber, da die post bereits weg, wurde das Churfjurstliche] Commissoriale 2 herumgesandt, und sind Commissarii Herr geh[eimer] R[ath] von Schwerin 3 (so allein Reformirt), Herr geh[e- imer] R[ath] von Canitz 4 , Herr gehfeimer] R[ath] Lindholtz 5 , Herr R[ath]
1 Spener hatte zuletzt am 14.4.1697 über den Stand der Auseinandersetzungen um Johann Caspar Schades (s. Brief Nr. 19, Anm. 12) Beichtauffassung berichtet (s. Brief Nr. 136).
2 Der kurfürstliche Befehl zur Einberufung der Untersuchungskommission datiert vom 6.5., das Commissoriale vom 8.5.1697 (GStA PK HA II, Rep. 47 B4, Fase. 18, Bl. 24+28 r und Bl. 43).
3 Otto Graf von Schwerin (21.4.1645-8.5.1705), geb. in Berlin; 1660 Studium in Heidelberg, 1662 in Leiden, 1664 in Frankfurt/Oder, Dr. jur. in Oxford; 1668 kurbrandenburgischer Hof- und Kammergerichtsrat, 1673 Geheimer Rat, 1676 wirklicher Geheimer Rat (DBA 1164, 351-352; ADB 35, 764—766; L. Gollmeet, Geschichte des Geschlechts von Schwerin, Berlin 1878). - Von Schwerin führte wegen der Abwesenheit des Konsistorialpräsidenten Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4) den Vorsitz der Kommission.
4 Friedrich Rudolf Ludwig Freiherr von Canitz (27.11.1654-11.8.1699), geb. in Berlin; 1671 Studium in Leiden, 1673 in Leipzig; nach Reisen durch Europa 1677 Kammerjunker in Berlin, 1680 Amtshauptmann der Ämter Zossen und Trebbin, 1681 Hof- und Legationsrat Friedrich Wilhelms von Brandenburg; 1688 Geheimer Rat, 1697 Wirklicher Geheimer Rat, 1698 Erhebung in den Freiherrenstand (DBA 177, 92-104; ADB 3, 756; NDB 3, 123f; Jöcher 1, 1625; Ph.J. Spener, Chrisdicher Leich=Predigten Zehende Abtheilung, Frankfurt a.M. 1700, 356-435). - Von Canitz wurde vor allem durch seine erst postum veröffentlichten Gedichte bekannt (vgl. [F.R.L. v. Canitz], Neben=Stunden Unterschiedener Gedichte, hg. J. Lange, Berlin 1700;J.U. König, Des Freyherrn von Canitz Gedichte [...]; nebst dessen Leben [...], Leipzig u. Berlin 1727).
5 Andreas Lindholz (gest. 1700), Geheimer Rat und Oberdomänendirektor, 1700 vom Dienst suspendiert (Isaacsohn 2, 297; 3, 50).