Nr. 141 Pli.J. Spener an A.H. Francke 31.12.1697

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allgemach darzu die Vorbereitung mache, u. alles dahin einrichte, mit mehrer klahrheit einsehen ließe. Doch er wird thun, was sein güte und weißheit mit 20 sich bringen, daran solle uns genügen. 7

Unsers lieben Herrn M. Schaden sache 8 ist noch nicht außgemacht, und mögen allerley politische Ursachen sein, weswegen der hoff die decision, die zwahr nicht übel hoffe, noch auffschiebet. 9 Indeßen gehen allerley Unord­nungen vor von seinen freunden, denen er einhält zuthun nicht vermag oder 25 nicht will. Wie denn wegen des auffschubs bereits unterschiedliche ohne Vorbereitung und beicht zu der communion gegangen. Darvon ich billich allerley sorge. Es kommt also nun nicht mehr sowol auff die frage an, ob und wie ein prediger sein gewißen in dem beichtstuhl bewahren und retten könne, als darauff ob ein wahrer Christ mit gutem gewißen zur beicht gehen könne: 30 welches nun die meiste, die an ihm hangen vor sündlich, eine abgötterey und verläugnung Christi halten, wie mirs einige ins gesicht gesagt, und sobald sie hören, das jemand von ihnen widerum zum beichtstuhl gehen will, ihm zusprechen u. mit aller gewalt ihn abhalten. Deß ich mich versichere, das geliebter Herr Gevfatter] nicht billichen wird; wiewol auch gegen denselben 35 das vertrauen sehr geschwächet ist.

Was Herr gehfeimer] Rath Stößer 10 wegen der armen anstalten auß- gerichtet, wird er selbs nachricht gegeben haben." Bey unser gnädigsten

18 /wie er/. 32 /gesicht/. 33 /von ihnen/.

gnantesten Merkmalen der Spenerschen Theologie (vgl. Wallmann, 324-354; ders., Theologie und Frömmigkeit, 390-421; Brief Nr. 78, Anm. 21 u. 23).

7 Vgl. 2Kor 12,9.

8 Der Streit um Johann Caspar Schades (s. Brief Nr. 19, Anm. 12) Auffassung von der Pri­vatbeichte (vgl. zuletzt Brief Nr. 140, Z. 31-42 und Anm. 7).

9 Gemeint ist der wohl vor allem von Sophie Charlotte (s. Anm. 12) betriebene Sturz Eberhard Christoph Balthasar von Danckelmanns (s. Brief Nr. 13, Anm. 8), der bisher alle Hauptangelegen­heiten der Regierung in der Hand gehabt hatte. Wegen des Mißtrauens des Kurfürsten hatte von Danckelmann zunächst selbst um seine Entlassung gebeten, die ihm am 27.11.1697 auch gewährt worden war (Stenzel, 66). Im Dezember wurde er aber verhaftet und auf die Festung Spandau gebracht. Als Nachfolger Danckelmanns wurde Johann Kasimir von Kolbe, später Reichsgraf von Wartenberg (16431712) eingesetzt. Es war zu diesem Zeitpunkt nicht klar, ob Kolbe Spener und dessen Kreise ebenso wohlwollend behandeln würde, wie von Danckelmann das getan hatte (vgl. [Anonym], Fall und Ungnade zweyer Ersten Staats-Ministres des Königl. Preußischen Hofes/ aus dem Frantzösichen Original ins Teutsche übersetzt, o.O. 1712; Stenzel, 61-70; K. Breysig, Der Prozeß gegen Eberhard Danckelmann: ein Beitrag zur brandenburgischen Verwaltungsgeschichte, Leipzig 1889 [Ndr. Bad Feilnbach 1990]; C. Hinrichs, Friedrich Wilhelm [., König in Preußen. Jugend und Aufstieg, Hamburg 1941, 121-125; Obst, 98-100).

10 Gottfried Stößer von Lilienfeld (8.11.1635-4.9.1703), geb. in Straßburg; preußischer Ge­heimer Rat und Vizekanzler der Magdeburger Regierung in Halle (Dreyhaupt 2, Geschlechts­register, 173; vgl. J.D. Schmidmann, Trauer=Rede Bey Beerdigung Der Frauen/ [...] Catharinae Elisabethae Stoesserin von Lilienfeld, Berlin 1715, 13; Kramer 1, 196. 200. 202. 221; Canstein/ Francke 84. 145 [dort offenbar falsche Identifikation: Johann Ludwig, 1694 Student in Halle]).

11 Stößer war inzwischen von Berlin nach Halle zurückgekehrt (vgl. Brief Nr. 142, Z. llf). Ergebnisse seiner Verhandlungen in Berlin wurden nicht ermittelt.