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Nr. 141 Ph.J. Später an A.H. Francke 31. 12. 1691

Churfürstin 12 , als Herr HofFprediger Ursinus 13 die praesentation gethan, ist

40 nichts erfolget, wie mir die Obriste [?] von Croßigk 14 wider gesagt.

Was die Frau von Reichenbach gemeldet 15 verhelt sich also, das eine bekante person 16 schon vor anderthalb jähren mir den antrag gethan, das sie ein capital (die summe wurde nicht genennet, als allein gewißer Kuxen in einem bergwerck 17 ) vor arme und zwahr sonderlich an krancke, die nicht nur

45 Unterhalts, sondern auch euren u. pflege bedörfftig, anzuwenden, zu stifften gesonnen, und mir die dispensation aufftragen, vorher aber meine gedancken darüber vernehmen wolte; so habe sie nun in ihrem vorhaben gestärckt, doch diffecultet gezeiget, die bey den auff bergwercken stehenden capitalien sich finden, im übrigen zu einiger sorge mich verstanden. 18 HieraufF weil

50 sie außer landes 19 , bliebe die antwort auß, biß vor Ostern, da sie widerum schrieb, und meldete, das sie auff ander Versorgung des capitals gedencken wolte: sandte mir aber (weil sie widerum verreisete) 50 thaler vor ein halbes jähr, welches geld auch seither an dergleichen krancke elende leute gewandt worden. Seiter dem habe ich gar nichts mehr von der person gehöret, noch

55 weiß, ob sie widerum in Holland seye oder nicht. Wie mich ins gesamt in das werck nicht weiter ingerire, als selbs geleitet werde. Solte sie aber ferner mit mir drauß conferiren, sehe zwahr nicht ungern, das einiger theil der Zinsen auff" die erst projectirte art an krancke und ohne hilffe ligende angewendet würde, welches auch wol angewendet ist, wolte aber selbs rathen, das meiste

40 Obriste(?) ] Casio;?): D. 49 /mich/.

12 Sophie Charlotte, Kurfürstin von Brandenburg (s. Brief Nr. 37, Anm. 6).

13 Benjamin Ursinus (s. Brief Nr. 25, Anm. 11).

14 vermutlich Rosamunde Juliana von Krosigk, geb. von Closen zu Heideburg (12.6.1628 25.3.1698), geb. in Biesenberg; 1656 Heirat mit Ludolf Lorenz von Krosigk (gest. 1673), kur- brandenburgischer Kriegsrat, Kammerer und Obrist; 1684 Hofmeisterin in Coburg, 1688 in Darmstadt, 1689 in Gotha; lebte ab 1694 in Berlin (Gauhe 1, 378; FJ. Lütkens, LP Rosamunde Juliana von Krosigk [Der Glaube an die Gnade JEsu Christi/ ...], [Coelln/Spree 1698], Personalia, unpag.).

15 Ein entsprechend datierter Brief von Maria Sophie von Reichenbach (s. Brief Nr. 16, Anm. 22) wurde nicht ermittelt.

16 Wie sich aus den Angaben Franckes vom 8.1.1698 ergibt (vgl. Brief Nr. 142, Z. 1823 und Anm. 9), handelt es sich um Lucia Oligard Freifrau von Burkersrode, geb. von Rantzau, Witwe des 1686 verstorbenen kursächsischen Geheimen Rats Hans Friedrich von Burkersrode (Gauhe 1, 303f; LBed. 3, 302; SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 4a/4: 2-5). Von Burkersrode hatte be­reits 1692 einen Sohn zur Erziehung bei Francke nach Halle geschickt (vgl. von Burkersrode an Francke, 26.4. u. 13.5.1692, SBPrKB, aaO, 3. 5).

17 Es handelt sich um Gesellschaftsanteile an einer gewerkschaftlichen Grube oder Zeche, die je nach wirtschaftlicher Situation Anteile an Verlust oder Gewinn waren. Die Summe der Anteile an einer Grube betrug zu diesem Zeitpunkt in der Regel 128 Kuxen (vgl. Zedier 15, 2192).

18 Vgl. SpenerAn eine Standesperson/ die eine sonderliche Stiftung machen wollen [...]", 22.7.1696 (LBed. 2, 24-27).

19 In Holland (s. Z. 35).