Nr. 141 PhJ. Spener an A.H. Francke 31.12.1697
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darvon ihrer anstalt zuzuweisen, als dero auffhahm selbs gern sehe, und von 60 Gott den darzu nöthigen segen wünsche.
Meinem Ernst Gottfriedgen 20 habe nicht allein als er mit Herrn Lüders 21 hier war, ernstlich zugesprochen, so aber in dem was ihm vorgehalten, auff seiner Unschuld bestanden, sondern auch mit Herrn Lüders drauß geredet, der ihm mit großem bericht auß Halberstatt unrecht zu geschehen, allerdings 65 darvor helt, 22 wie auch Herr M. Ciauder gleiches geschrieben 23 . So hat Herr Lüders sonderlich noch nechst geschrieben, das er je länger je mehr wol mit ihm zufrieden seye 24 , auch hat ihn nun Herr Ciauder selbs gar bey sich in besonderer auffsicht. Der Herr, dem ihn befehle, regire ihn mit seinem H. Geist, und bereite ihn zum werckzeug seiner gnaden. In deßen gütige 70 obsicht, segen und regirung samt gantzen lieben hauß treulich empfehlende verbleibe Meines Hochgeehrten Herrn Gev[attern] und gel[iebten] Bruders zu gebet u. liebe williger
Philipp Jacob Spener D. Mppria
Berlin den 31. Xbr. 1697. 75
Meine haußfrau 25 grüßet auch denselben samt der Frau Gevatterin 26 hertz- lich.
Den jungen Herrn Hoppen von Dantzig 27 , dem dieses mit gebe, recom- mendire hertzlich, wo zu deßen erbauung beygetragen werden könte. Der Vater, so vorhin Syndicus gewesen, u. jetzt Senator 28 , ist einer der Christ- so
65 /mit großem bericht auß Halberstatt/.
20 Ernst Gottfried Spener (4.8.1688-8.5.1715), geb. in Dresden; 1697/98 Aufenthalt in Halberstadt; 1707 Jurastudium in Gießen, 1709 Aufenthalt in Berlin, Oberauditeur (Richter) im preußischen Heer (DBA 1200, 43lf; Stolberg Nr. 21219; Mack, Pädagogik, 107-111). - Ernst Gottfried soll sich auf seinem dem Tod vorausgehenden langen Krankenlager bekehrt haben (vgl. Gerber 4, 193ff; Reitz 5, 340—342) und gilt als Verfasser des u.a. bei Schemelli abgedruckten Liedes „So recht, mein Kind, ergib dich mir" (vgl. G.Ch. Schemelli, Musicalisches Gesangbuch, Leipzig 1736, 584-586).
21 Justus Lüders (s. Brief Nr. 7, Anm. 18).
22 Lüders, dem Spener seinen Sohn offenbar zunächst anvertraut hatte, war am 9.10.1697 mit Ernst Gottfried in Berlin eingetroffen (vgl. Susanne Spener an Francke, 9.10.1697, AFSt/H C 146; 4). Der Bericht aus Halberstadt wurde nicht ermittelt.
23 Ein Bericht von Israel Ciauder (s. Brief Nr. 116, Anm. 58) über Ernst Gottfried ist nicht überliefert.
24 Nicht überliefert.
25 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).
26 Anna Magdalena Francke (s. Brief Nr. 81, Anm. 24).
27 Johann Samuel Hoppe, ab 7.1.1698 Jurastudent in Halle, später königlich preußischer Hauptmann (DBA 567, 44; Matrikel Halle, 237).
28 Joachim Hoppe (8.3.1656-4.2.1712), geb. in Putlitz in der Priegnitz; 1674 Studium in Frankfurt/Oder, dann Reisen v.a. nach Holland und England, 1681 Dr. jur. in Frankfurt; 1682 Prof. jur. und der Geschichte am Gymnasium in Danzig, 1688 Syndicus, 1697 Senator,