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Nr. 146 Ph.J. Später an A.H. Framke 30. 7. 1698
20 berg 6 ohne zweiffei des menschen kundschafft haben, und auch weßen man sich zu seinem Christenthum zuversehen oder nicht zu versehen habe, vor andern verstehen, geliebter Herr Gevatter aber in einiger kundschafft mit Herrn Spaan stehen wird, und ich der Frau Rudolffm darvon sagte, so ersuchte sie mich, das ihrentwegen, und um der liebe willen, welche derselbe in
25 Christo gegen sie und ihre tochter trage, bitten solte, ob beliebig sein möchte, auffs förderlichste, maaßen man auff ein oder andre seite auff die baldige resolution tringet, an Herrn Spaanen zu schreiben 7 , und von demselben, was er gedachten Herrn Rößler vor ein zeugnus betreffend sein Christenthum, u. was daher dependiret, geben möchte, zuerkundigen, so dann so bald es
30 müglich wider hieher zuberichten. Ich halte, es wird die daher kommende antwort, und was wehrter Herr Gevatter etwa vor sich darzu setzen möchte, ein großes gewicht geben, auff eine oder andre seite den entschluß zufaßen. Darinnen ich selbs hertzlich wünsche, das der Herr Herr seinen willen zu Versicherung der gewißen zuerkennen geben, und alles selbs dahin einrichten
35 wolle, wie es zu dieser seiner lieben kinder zeitlichen und ewigen heil am ersprießlichsten sein mag. Er thue es zu seinem preiß.
Im übrigen habe nur zumeiden, das wir unsers Sfeligen] Herrn Schadens cörper vergangenen Donnerstag abend 8 auß meinem hauß zu seiner ruhestatt, die er sich auff dem kirchhoff unter dem bäum außgesehen, gebracht haben.
40 Ob wir nun wol des unbändigen pöbels tumult zu entgehen zu ungewöhnlicher zeit, nemlich noch bey tag um 7. uhr, die beerdigung vollbracht, konten wir doch nicht wehren, das nach dem begräbnus sich eine große mänge volcks auff den kirchhoff zusammen gefunden, und allerley insolentien verübet, fast mit gewalt in das hauß tringen wollen, und das frische grab, auff
45 dem sie herumsprangen, gantz gleich getreten, dabey viele lasterungen auch gehöret worden. Endlich mußte man wegen stets erhaltenden lermens auff dem kirchhoff die wache holen, die letztlich das volck von dem kirchhoff abgetrieben. y Auff morgende leichpredigt 10 ist mir fast bange, der Herr verleihe darzu geist, weißheit und krafft. In deßen treue, obhut u. segen hertzlich
50 erlaßende verharre
20 haben + (wird). 37 /wir/. 42 /begräbnus/.
6 Spaan, Kantor und Musikdirektor in Freiberg (DBA 1198, 253). Lebensdaten wurden nicht ermittelt.
7 Ein entsprechendes Schreiben Franckes wurde nicht ermittelt.
8 28.7.1698.
9 Uber die Tumulte bei Schades Begräbnis liegt ein Bericht von Johann Paul Astmann (s. Brief Nr. 110, Anm. 65) vom 1.8.1698 vor (GStA PK HA II, Rep. 47, Nr. B 4, Fase. 18, Bl. 243). Zudem wurden Aussagen von Johann Matthäus Sauerbier, einem Vetter Schades, protokolliert (aaO, Bl. 245f). Die von dem mit der Untersuchung der Vorgänge beauftragten Notar Wilhelm Durham vorgelegten ausfuhrlichen Berichte vom 6.8.1698 sind ebenfalls überliefert (aaO, Bl. 215-242 [Protokoll] u. Bl. 203-214 [Begleitbrief]). Vgl. Obst, 110-112.
1(1 S. Brief Nr. 145, Anm. 6.