Nr. 147 Ph.J. Später an A.H. Francke 17. 8. 1698

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kommen sein, welches man vermuthlich auß Leipzig am ersten erfahren kan. Der Herr füge auch die sache zum besten und beruhigung der gewißen. Die antwort von Freyberg 6 wollen wir noch erwarten.

Daß Jacob Carl noch gutes zeugnus behelt 7 , dancke ich dem Himmlischen Vater, der ihn ferner in gnaden regiren wolle. Empfehle ihn auch weiterer fortsetzung bißheriger treue. Das verlangen nach Gotha war ein jugendlicher raptus, hat sichs aber bald auß dem sinne nehmen laßen. 8 Sonst möchte wi- ßen, weil neulich ein guter freund von großer verfuhrung, welche daselbs vor­gehe, mir geschrieben y , ob solches grund habe, welches mir leid sein würde, oder ob es von solchen leuten erstlich möchte gekommen sein, bey denen die anweisung zum guten den nahmen der Verführung traget. Gott bewahre der Christlichen leute daselbs arbeit, das sie von niemand gestöhret werde.

Herrn geh[eimem] Rfath] und Praesidenten von Fuchs 10 habe gestern das schreiben selbs, weil bey dem empfang sobald zu ihm gehen mußte, praesentiret 11 , der sich sehr vergnügt bezeuget, u. zu antworten verspro-

1709 Aufenthalt auf Gut Zschorna (DBA 76, 257; ADB 2, 290; NDB 2, 17f; DBE 1, 403; Gauhe 1, 132; E. Vehse, Geschichte der Höfe des Hauses Sachsen, Teil 5, Hamburg 1854, 199-235).

6 Die vom Freiberger Kantor Spaan erbetene Information über Johann Gotthard Rößler (s. Brief Nr. 146, Z. 4-36).

7 Francke muß in seinem nicht überlieferten Brief (s. Anm. 2) auch über Jakob Karl Spener (s. Brief Nr. 133, Anm. 17) berichtet haben.

8 Bereits 5 Monate später fragte Spener, offenbar beraten durch Adam Rechenberg (s. Brief Nr. 1, Anm. 6), selbst bei Francke an, ob Jakob Karl nicht eine Zeit lang nach Gotha gehen sollte (s. Brief Nr. 153, Z. 35-45). Obwohl Francke sich hierzu skeptisch äußerte (s. Brief Nr. 154, Z. 1319), kündigte Spener ihm im Mai 1699 an, daß sein Sohn im Sommer an das Gothaer Gymnasium wechsle (s. Brief Nr. 163, Z. 5-27). Jakob Karl verließ Halle im Juni 1699 (s. Brief Nr. 166, Z. 2-11).

9 Ein entsprechendes Schreiben an Spener wurde nicht ermittelt. Möglicherweise handelt es sich um einen Brief des Lichtenburger Hofpredigers Johann Adolf Rhein (s. Brief Nr. 148, Anm. 11), der am 14.7.1698 an Francke schrieb, daß er durch dieleidige verfuhrung" am Paedagogium Regium, die er nicht näher beschreibt, sehr betrübt sei (SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 17, unpag.). Er reagierte damit auf ein nicht überliefertes Schreiben Franckes, in dem dieser ihn von den Vorgängen, die Rheins Sohn Johann Caspar betrafen, unterrichtet hatte. Rhein zeigt sich sehr beunruhigt und teilt Francke mit, daß er sich mit Spener, den man in Lichtenburg erwarte, über die Sache beraten werde. Noch im August brachte Rhein seinen Sohn, nachdem er auch einen Wechsel nach Gotha erwogen hatte, bei Adam Rechenberg (s. Anm. 8) in Leipzig unter (vgl. Rhein an Francke, 25.7. u. 24.8.1698, SBPrKB, aaO).

10 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).

11 Wie aus der vom 20.8.1698 datierenden Antwort von von Fuchs hervorgeht, handelt es sich um eine bereits vom 9.8.1698 datierende Vorstellung des Waisenhauses (SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 9: 39f). Diese könnte identisch sein mit einem 29 Punkte umfassenden Schreiben Franckes mit dem TitelWie seine Churfürstliche Durchlaucht ohne einigem Schaden alle zu Glaucha an Halle zu Erziehung der Jugend, und Verpflegung der Armen, gemachte Anstalten secundiren, und also das Interesse dero Regiment und Landen, und insonderheit hiesiger Stadt und Universität dadurch befördern können [...]", das aufgrund seiner Beilagen (Lit. A: Projecte, Wie die Anfuehrung Herren=Standes/ Adelicher und anderer fuernehmen Jugend veranstaltet/ [...] Anno 1698; Lit. B: Anstalten/ Die Zu Verpflegung der Armen zu Glaucha an Halle gemachet sind: Wie sich solche befinden Anno 1698/ im Monat Julio; Lit. C: Glauchische Anstalt Fuer die Arme/ Exulanten, Abgebrante/ [...], Halle 1697) auf Juli oder August 1698 zu datieren ist