Nr. 151 Ph.J. Später an A.H. Francke 5.10.1698
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tico 6 wüßte nichts vorzuschlagen, als das mich deucht in Herrn D. Hartmanns 7 pastorali 8 werde die materie zimlich tractiret sein 9 . Den abusum sehen wir sonderlich in den academien vor äugen.
Die predigt von den f[alschen] Propheten 1 " habe vorige woche gelesen: wünschete, das sie nicht gerad in diese zeit gekommen wäre." Bekenne, das ex stylo sacro 2. Petr. 2,1 unmüglich andre pro pseudoprophetis halten könne, als qui et quatenus falsa docent 12 : und ist ein miedling zwahr auch der heerde schädlich , ja kan die schaafe um die seele bringen, ist aber deswegen stylo sacro kein falscher prophet: ob wol non-verus: so fern ein wahrer prophet heißt veritate metaphysica, der jenige der alles hat, was eigenlich zu einem rechtschaffenen propheten nach Gottes willen erfordert wird. Was das leben anlangt gehört es unter die früchten eines menschen oder eines Christen: aber eines lehrers, er seye ein wahrer oder falscher lehrer, früchten sind
23 /gerad/. 30 /oder eines/ : (unter die).
6 Von Spener vorgeschlagenes Thema für die Vorlesungsankündigung Franckes für das Wintersemester (s. Brief Nr. 148, Anm. 24).
7 Johann Ludwig Hartmann (3.2.1640-18.7.1680), geb. in Rothenburg o.T.; 1657 Studium in Wittenberg (1659 Magister); 1660 Pfarrer in Spielbach, 1662 Gymnasialrektor in Rothenburg, seit 1665 Superintendent an St. Jakob ebd.; seit 1669 mit Spener im Briefwechsel; 1670 Dr. theol. in Tübingen (DBA 479, 73-78; ADB 10, 685; Zedier 12, 647f; Jöcher 2, 1382; Matrikel Tübingen 2, 343. 348; W. Dannheimek, Verzeichnis der im Gebiete der freien Reichsstadt Rothenburg o.T. von 1544 bis 1803 wirkenden evangelisch-lutherischen Geistlichen, Nürnberg 1952, 65; Spener, Frankfurter Briefe 1, Brief Nr. 41 u.ö. [Lit.]).
8 J.L. Hartmann, Pastorale Evangelicum, Seu Instructio Plenior Ministrorum Verbi: Libris quatuor pastoris Vocationem, Ordinationem, Investituram [...] Additis sufficientibus monitis circa quameunque Praxin Theolog. Pastoralem & Decisionibus ultra 800. Casuum Conscientiae [...], Nürnberg 1678 ( 2 1697).
9 Hartmann behandelt neben dem Elenchus doctrinalis vor allem den Elenchus moralis (vgl. Hartmann, wie Anm. 8, 1. Aufl., 445—467 [De officio Elenctico ratione Elenchi doctrinalis], 491—502 [De officio Epanorthotico seu Elencho moralis], 503—525 [De Elenchi moralis objecto Reali et Forma], 526—532 |De monitis variis variorum officium Epanorthoticum concernentibus], 533—566 [De exceptionibus Pseudo-Politicorum adversus Correptiones Pastorales] und 567—586 [De extremis Elenchi Moralis, seu officii Epanorthotici]; zur Unterscheidung von Elenchus doctrinalis und moralis vgl. Gierl, 61. 75 u.ö.). — Hartmann hatte in Tübingen auch De elencho morali disputiert (vgl. Zedier, wie Anm. 7).
10 A.H. Francke, Predigt Von den Falschen Propheten/ Uber das Evangelium Matth. VII, vers. 15-23. Am 8. So.n.Tr. Anno 1698, [...] zu Glaucha an Halle gehalten, Halle 1698 (Francke, Predigten 1, 438-484; Francke-Bibliographie Nr. E 71.1-6).
11 Die Predigt mußte zu einer erneuten Verschärfung der Spannungen mit der Stadtgeistlichkeit fuhren, weil Francke dieser darin implizit vorwarf, ihr Amt nicht richtig zu führen (vgl. die folgenden Zeilen). Zum unmittelbaren Anlaß für die Auseinandersetzungen ab dem Frühjahr 1699 (s. Brief Nr. 161, Anm. 1) wurde aber erst Franckes am 2.2.1699 gehaltene Predigt „Ein Unterricht vom Kirchengehen" (Francke, Predigten 1, 602-630; Francke-Bibliographie E 87.1).
12 Francke hatte u.a. aus 2Petr 2 abgeleitet, daß wahre bzw. falsche Propheten vor allem an ihren „Lebens-Fruechten" erkennbar seien (Francke, Predigten 1, 469f).
13 Vgl.Joh 10,12f.