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Nr. 151 n.J. Spener an AM. Francke 5.10.1698

nicht das leben an sich selbs, sondern die lehr 14 und jenes nicht anders, als sofern er auch mit exempel lehren oder verfuhren kan. Ich will aber etwa zu andern mal meine remarques senden. 15 Auffs wenigste dienets, wo andre die

35 predigt angreiffen möchten, ut tela praevisa minus noceant 16 . Was die neue begebenheit bey dem armenwesen seye, verlangt mich auch zu vernehmen, Gott desto hertzlicher mit ihnen zu preisen.

Hiebey ein schreiben von Herrn Scharschmid auß Moskau. 17 Er verlangt von mir mein judicium über L. Vagetij 18 3 Catechfismus] fragen, wie man

40 solle Gott lieben: mit beyfügen, das er solche an gel[iebten] Bruder u. mich gesandt 19 : ich weiß aber nichts darvon gesehen zu haben, könte aber von ihrem ort etwas darvon bekommen, wolte sehen zu antworten, der nechst treuer empfehlung in göttliche obhut u. freundlichen grüß an das gesamte liebe hauß verbleibe

45 Meines Hochgeehrten Herrn Gev[atters] und Bruders zu gebet u. liebe williger

Ph[ilipp] J[acob] Spener D. Mppria

Berlin den 5. Oct. 1698. in großer eil.

50 Herr Rauner 20 wird die 20 thaler wegen Herrn Laurfentii] 21 mitbringen.

34f /die predigt/ : (sie).

14 Spener wendet sich mit seiner Kritik insbesondere gegen den gesamten 2. Teil der Predigt (Wie die falschen Propheten zu erkennen seien?", Francke, Predigten 1, 454470), in dem Francke die Meinung, die Frucht des Lehrers sei die Lehre, als Verdrehung der Worte Christi bezeichnet (aaO, 454). Francke behauptet, Christus wolle von den LehrernFruechte haben, die aus der Lehre fließen, Fruechte des Lebens" (aaO, 465).

15 Nicht ermittelt.

16 Zitat nach Seneca.

17 Nicht überliefert. Vermutlich handelte es sich um ein vom 5.8.1698 datierendes Schreiben, das Justus Samuel Scharschmidt in einem Brief an Francke vom 2.9.1698 als zuletzt abgesandtes Schreiben an Spener erwähnt (AFSt/H C 296: 22); inzwischen ging Scharschmidt davon aus, daß Spener bereits verstorben sei (ebd.). Am 5.8.1698 hatte Scharschmidt sich ebenfalls mit der Bitte um ein Urteil über Barthold Vagets Katechismusfragen (s. die folgenden Z.) an Francke gewandt (AFSt/H C 296: 21).

18 Barthold Vaget (14.6.1654-23.1.1724), geb. in Hamburg; 1674 Studium in Wittenberg (1679 Magister); 1679 Kantor in Bergedorf, 1684 Pfarrer auf den Eisenwerken der Familie Marseiis in Moskau, 1689 Pfarrer der Alten Gemeinde in Moskau, 1695/96 Aufenthalt in Archangelsk, dann wieder in Moskau; 1702 Lic. theol. in Wittenberg; 1711-1718 Generalsuper­intendent aller lutherischen Kirchen in Rußland (DBA 1300, 144-148; Zedier 46, 97; Jöcher 4, 1382; Matrikel Wittenberg, 105; Pfarrerbuch Rußland, 500; AFSt/H C 296. 153a-d).

19 Nicht überliefert.

20 S. Anm. 1.

21 [Christoph (?)] Laurentius (s. Brief Nr. 148, Anm. 13). Zu dem von Spener auszuzahlenden Geldbetrag s. Brief Nr. 148, Anm. 14.