Nr. 153 Ph.J. Speneran AM. Francke 21. 1. 1699
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153. Ph.J. Spener an A.H. Francke
Berlin, 21. Januar 1699
Inhalt
Sendet gute Wünsche zum Neuen Jahr. — Hat Teile seines Manuskripts zur Auslegung des Johannesbriefs Frau Grupe und Carl Hildebrand von Canstein mitgegeben. Sendet Bemerkungen zum Probedruck. — Hat mit Revision der Bedenken angefangen. Erwägt kritisch Aufwand und Nutzen. — Bittet um Rat wegen Wechsels Jakob Karl Speners nach Gotha, den Adam Rechenberg nahelegt. — Johann Paul Astmann ist erkrankt, Christoph Nagel gestorben.
Überlieferung
A: AFSt/H A 125: 82
D: Kramer, Beiträge, 393-394
Jesum, in dem uns alles neu werden solle!
In demselben hertzlich geliebter Bruder, Hochgeehrter Herr und Gevatter.
Was ich unsrem gantzen ordini besonders und ins gemein allen die den Herrn furchten und lieben 1 auff den N[euen] jahres tag an H. Stätte von grund der Seelen nach allen stücken gewünschet, will der krafft nach, gleich ob es mit soviel worten herschriebe, auch auff deßen liebe person, hauß und amt, vor dem Herren gerichtet haben: der laße es sein ein solches jähr, in dem und allen folgenden mit jedem tag neue zeugnußen seiner allmacht, weißheit, güte, gerechtigkeit und Wahrheit, sich an denselben zu eigner und aller die ihn und den Herrn lieben stäter neuen freude und dancksagung offenbahren. Der Herr Herr laße sein werck durch seine hand u. andre, die er neben ihm darzu verordnet, je länger je nachtrücklicher fortgehen und seliglich durch alle hindernußen durchtringen.
Die arbeit über die 1. Joh[annesepistel] 2 hoffe werden sie nun beysammen haben, da ich der Frau Grupin 3 den 2. theil, den letzten bogen aber jüngsthin Herrn B[aron] von Canstein 4 gegeben habe. Der Herr laße sie nicht ohne segen bleiben bey denen, die sie lesen werden, in glauben u. liebe gestärckt zu werden, er laße auch den armen von dem verlag einigen nutzen zu wachsen.
1 Vgl. die Erklärung Martin Luthers im Kleinen Katechismus zum 1. Gebot, die als Ausgangspunkt zu den Erklärungen der übrigen Gebote in verkürzter Form wiederkehrt („Wir sollen Gott fürchten und lieben [...]"; vgl. A. Beutel, „Gott furchten und lieben". Zur Entstehungsgeschichte der lutherischen Katechismusformel, in: ders., Protestantische Konkretionen. Studien zur Kirchengeschichte, Tübingen 1998, 45—65).
2 Ph.J. Spener, Des Hocherleuchteten Apostels und Evangelisten Johannis Erste Epistel (s. Brief Nr. 150, Anm. 3).
3 Möglicherweise die Ehefrau von Caspar Sigmund Grupe, der sich in einem Schreiben aus Berlin vom 22.1.1699 bei Francke wegen der „ungelegenheit", die Francke durch die Unpäßlichkeit seiner Frau entstehe, entschuldigte (AFSt/H C 789: 7).
4 Carl Hildebrand von Canstein (s. Brief Nr. 143, Anm. 1).