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Nr. 158 Ph.J. Spener an A H. Francke 11.4.1699

15 zu seinen ehren, und zeige abermal in der that, das er überschwenglich thun könne, über alles was wir bitten und verstehen 9 .

Er zeige auch seinen rath, was die noch fernre [?] stelle 10 anlangt. Vor die treue vorschlege sage hertzlichen danck." Wegen eines eigenlichen adjuncti sehe keine müglichkeit nicht allein wegen des gehalts, in dem ein lediger von

20 hoff zu solcher dignitet schwehrlich würde acceptirt werden, eine gantze familie aber eine allzugroße last sein würde, sondern auch wegen der arbeit: dann ich mich nicht resolviren könte, als lang mir Gott die kräfften gibet, etwas von meinen predigten u. Verrichtungen zu überlaßen, hingegen einen zu vociren, und ihm nichts zu schaffen zugeben, würde sich auch nicht schik-

25 ken. Aber dis schlüge vor, ob ichs erlangen könte, weil es der kirchen und in gewißer maaß das Churf[ürstliche] interesse wäre, daß ich nicht ohne gewißen successorem, u. zwahr der bereits die kirche kennete, sterben möchte, das jemand unter denen die ich vorschlüge beruflfen würde, entweder (so zwar viel schwehrigkeit gleich haben würde) sobald cum titulo adjuncti, oder doch

30 mit Vertröstung der succession, der solang als diaconus an der kirche arbeitete, u. gehalten würde: darzu ließe mir gefallen 1. Herrn Lackmann. 12 2. Herrn Superintendenten] Blanckenberg. 13 3. Herrn Thime Superfintendenten] zu Colditz. 14 4. Herrn Cretschmar. 15 Was titfulum] Superintendent] anlangt, hielte nicht darvor, das es soviel hindern solte, dann es hier nicht ungewohnt,

35 das die inspectores vorher gewesen, hier in der statt unterste diaconi werden: wie Herr Rittner 16 vorhin inspfector] zu Havelberg gewesen: also auch einer Lang insp[ector] zu Storchau, der hie diaconus wurde, und endlich Propst zu Cöln 17 . So solle auch ein diaconat zu Leipzig also aestimirt werden, das ein

21 /würde/. 21 /auch/. 28 /unter denen die/: (fl?)). 37 Lang ] lang: D.

9 Vgl. Eph 3,20.

10 Die Einrichtung einer Adjunktur (s. Brief Nr. 157, Z. 18fr).

11 Francke muß Spener in einem nicht überlieferten Brief mindestens Konrad Gottfried Blan­kenberg (s. Brief Nr. 22, Anm. 31) und Christoph Matthäus Seidel (s. Anm. 19) als Adjunkten vorgeschlagen haben (vgl. Brief Nr. 157, Anm. 18).

12 Petrus Lackmann (s. Brief Nr. 157, Anm. 10).

13 Tatsächlich wurde Blankenberg (s. Anm. 11) am 8.8.1699 zum Adjunkten berufen (vgl. Aland, 154).

14 Clemens Thieme (1667-1732), geb. in Zeitz; 1684 Studium in Leipzig (1687 Magister), 1690 Reiseprediger des sächsischen Kurprinzen Johann Georg IV, 1692 Archidiakon in Würzen, 1695 Superintendent in Colditz bei Grimma (Matrikel Leipzig, 455; Pfarrerbuch Sachsen 1, 94; 2/2, 935). Die hier erwähnten Personen stellte Spener in seinem Gesuch an den Kurfürsten um Berufung eines Adjunkten vom 30.5.1699 schließlich auch vor (s. Aland, 152f).

15 Christian Friedrich Kretzschmar (s. Brief Nr. 157, Anm. 11).

16 Andreas Rittner (s. Brief Nr. 23, Anm. 48).

17 Gottfried Lange (9.12.1640-16.6.1685), geb. in Beeskow; 1658 Studium in Frankfurt/ Oder; 1661 Pfarrer in Großbeeren, 1666 Superintendent in Storkow; 1673 3. Diakon an St. Nikolai in Berlin, 1676 Propst an St. Petri ebd. (Matrikel Frankfurt 1, 790; Pfarrerbuch Bran­denburg 2/1, 478).