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Nr. 163 Ph.J. Spener an A.H. Francke 23.5.1699
auffnehmen könte, und ob es eine gewiße zeit sein müße, da man mit nutzen
20 antreten könte: darauff noch zu warten habe: aber darvor halte, das bey meines wehrten Herrn Gevattern anstalten der abschied zu einer zeit, wie zur andern, geschehen möge, oder müßte darvon andern bericht haben. Wir wären im übrigen gesonnen, ehe er nach Gotha reisete, ihn vorher etwa auff 8 tage lang hirher kommen zulaßen. Der Herr regire alles zu seinen H. ehren.
25 Wir bleiben indeßen vor die bißher an ihm erzeigte liebe und treue hertzlich verbunden, und sind bereit zu aller müglichen erkentlichkeit: Gott der vergelter alles guten sehe es aber auch Selbsten in gnaden an.
Im übrigen habe zu berichten, das Herr Cammerjuncker von der Lühe 9 mir wider 20 thaler zustellen laßen an gelfiebten] Herrn Gevattern zu schik-
30 ken, darzu noch gelegenheit suche. Die einlage hoffe werde ohn schwehr nach ErfFurt befordert werden können 10 : hat nicht eben sonderbare eil. Die andre habe diesen nachmittag auß Preußen bekommen". Unser l[ieber] Herr Gehr 12 , darvon sie komt, hat einen harten kampff vor sich, und habe ich vor einer stund sein memorial 13 an Herrn geh[eimen] R[ath] von Fuchs 14
35 recommendiret, hoffe auch die gebetene commission zu Untersuchung seiner sache solle meistens auff wolgesinnte personen fallen. Der Herr regire aber alles selbs, als ohne den menschen anschlage nichts vermögen. Er hat gebeten, das wir hier möchten künfftigen freytag auch unsres orts kämpften mit beten, daß er seine ehre auch bey ihnen in dieser sache durchgingen laßen
4ü wolte. Vielleicht bittet er gleiches auch von ihnen ihres orts, und werden sie sich nicht entziehen. Er gebe uns aber auch allerorten selbs den geist der gnaden und des gebets, daß deßen feuer unser rauchwerck anzünde, darmit
20 /bey/. 35 auch < ab(?).
9 [Johann (?)] von der Lühe (s. Brief Nr. 84, Anm. 19). "' Nicht überliefert.
11 Schreiben Gehrs (s. Anm. 12) an Spener vom 11./21.5.1699 (AFSt/H D 66: 344f). Gehr hatte im Januar 1699 begonnen, in Königsberg Schulen nach Halleschem Vorbild aufzubauen (s. Brief Nr. 153, Anm. 15), wogegen sich mittlerweile eine Gegnerschaft gebildet hatte. Inzwischen hatte Gehr erfahren, daß die Gegner ihn in Berlin verklagen wollten. Um einem ungünstigen Verlauf der Angelegenheit zuvorzukommen, sandte er Spener ein Memorial, in dem er um eine Untersuchungskommission bat und bereits Kommissare vorschlug. Spener sollte bei von Fuchs erkunden, ob eine entsprechende Klage eingegangen sei, und ggfls. das Memorial einhändigen. — Am 15./25.5.1699 teilte Gehr Spener mit, er habe unterdessen erfahren, daß die Klagschrift eingereicht sei: man wolle ihm alle Schulanstalten verbieten. Es sei ihm empfohlen worden, unter Bezug auf die ihm nun bekannte Klage ein Memorial wegen der Untersuchungskommission direkt an den Berliner Hof zu senden. Dies wolle er mit der folgenden Post auch tun; von Fuchs solle die Angelegenheit nicht eher vortragen, ehe es eingetroffen sei (AFSt/H D 66: 375). Zur im September 1699 durchgeführten Untersuchung s. Brief Nr. 180, Z. 3-8 und Anm. 2.
12 Theodor Gehr (s. Brief Nr. 117, Anm. 32).
13 Nicht ermittelt. S. Anm. 11.
H Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).