Nr. 166 A.H. Framke an Ph.J. Später 23. 6. 1699

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wil ich schuldigst remittiren. 3 Er hat mir auch jüngst meine Anleitung zum Christenthum ins Slavonische übersetzet zugesant. 6

Zur Nachricht melde, daß ich ohnlängst in einer Vorbereitung zur Buß=Pr- edigt die öffentliche Narrentheidung 7 eines Marckt=schreiers in Glaucha nachdrücklich gestraffet, u. zugleich auch diejenigen, welche dergleichen öffentliche ärgerniß nicht abthäten, welche es thun solten und könten. Dieses hat man hier so übel genommen, daß man jetzt für gewiß sagen wil, es werde mich Rath König 8 bey dem Churftirsten'' als fiscalis denunciiren, daß ich das

5 Wohl Scharschmidts Brief an Francke vom 3.5.1699, in dem es um dessen Auseinanderset­zungen in Moskau ging (s. Brief Nr. 165, Z. 31 fF und Anm. 12).

6 Scharschmidt hatte Francke die altslavische Ubersetzung der Anleitung zum Christentum am 4.2.1699 zugesandt und als Übersetzer einen Freund mit Namen Jochim angegeben (vgl. Scharschmidts Brief an Francke unter diesem Datum im AFSt/H C 296: 25). Obwohl der ange­gebene Titel eindeutig verifizierbar ist (A.H. Francke, Kurtze und einfaeltige iedoch gruendliche Anleitung zum Christenthum/ Grund=Regeln JEsu CHristi/ und Bekaentniß eines Christen/ [...], Halle 2 1696 [vgl. Francke-Bibliographie Nr. C 18.1-13]; Francke, Werke in Auswahl, 360- 365), geht man in der bisherigen Forschung davon aus, daß hier Franckes Anfang der christlichen Lehre zum Gebrauch für die gantz Unwissende [und Unfähige vieles zu lernen/] [...], Halle 1696 (Francke-Bibliographie Nr. C 16.1-2; 17.1-2), gemeint ist (Winter, 212-214. 223-225, unter Bezug auf D. Cyzevskyi, DieRussischen Drucke" der Hallenser Pietisten, in: Kyrios 3, 1938, 56-74, v.a. 58f. 70-73, und ders., Ostslaven [s. Brief Nr. 142, Anm. 17], 296-302; J. Dietze, A.H. FranckesAnfang der christlichen Lehre" in russischer Übersetzung, in: WZ[H].GS 27, 1978, H. 3, 79-94). Die Titel wurden gleichgesetzt, weil nur für das letztgenannte Büchlein altslavische Übersetzungen überliefert bzw. erwähnt sind ([A.H. Francke], Natschalo christians- kawo utschenia [...], Halle 1735; Korrekturen einer wohl auf 1704 zu datierenden Ausgabe im AFSt/H J 25 b Nr. 4 [Dietze, 82f; M. Fundaminski, Die Russica-Sammlung der Franckeschen Stiftungen zu Halle. Aus der Geschichte der deutsch-russischen kulturellen Beziehungen im 18. Jahrhundert, Tübingen 1998 (Hallesche Qucllenpublikationen und Repertorien, 2), Nr. H-21]; handschriftliche Übersetzung wohl von Caspar Matthias Rodde als Vorlage zur Ausgabe 1718 in derBFSt 155 M 96, unpag. [Dietze, 83f; Fundaminski, Nr. H-12]; nachweisliche Erwähnungen des Titels in Rußland ab 1706 [Winter, 223]). Da Gotthilf August Francke 1734 als bisher in Halle erschienenen russischen Druck seines Vaters wiederum einen anderen Titel nämlich nur 2 Auflagen derFünf Fragen von Ordnung des Heyls" (A.H. Francke, Fünff Fragen/ um der Schul=Jugend Einen summarischen Begriff von der Ordnung des Heils zu geben [...], [Halle| 1713, abgedr. in: ders., Die Klugheit der Kinder des Lichts [...], Halle 1714, vgl. Francke-Biblio­graphie Nr. C 44.13]) erwähnt (vgl. Winter, 403), kann nicht belegt werden, daß es eine russische Druckfassung derAnleitung zum Christentum" überhaupt gegeben hat. Dennoch kann aus den Erwähnungen und Überlieferungen von Druckfassungen des ,,Anfang[s] der christlichen Lehre" in russischer Sprache auch nicht geschlossen werden, daß es sich bei der hier erwähnten Handschrift nicht um FranckesAnleitung zum Christentum" handelt.

7 Ältere Form fürNarretei" = Narrenstreich (Duden 5, 2357).

8 Johann Viktor König (28.2.1655-12.5.1709), geb. in Halle; 1672 Studium in Leipzig (1674 Mag.), 1679 Lic. jur. in Erfurt; 1685 erster kurfürstlich brandenburgischer Schultheiß mit dem Prädikat eines Rats in Halle und Advocatus fisci des Herzogtums Magdeburg (DBA 682, 410-412; Jöcher EB 3, 655; Dreyhaupt 2, 465. 652; Matrikel Leipzig, 231; J.V König, Disputatio [nauguralis De Quiete Juridica/ [...], Erfurt 1679). - König gehörte offensichtlich zu den Sympathisanten der Halleschen Stadtgeistlichkeit. Im Juli 1700 focht er sogar das Ergebnis der Untersuchungs­kommission (s. Brief Nr. 224, Anm. 3) an (GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 159b, 1700-1712, Bl. 146-150). Als dies ohne Erfolg blieb, brachte er im September 1700 erneut das für Francke nach wie vor gefährliche Thema der verbotenen Bücher vor (vgl. Brief Nr. 222, Anm. 17).

9 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).