Nr. 168 PhJ. Spener an AM. Francke 1.7.1699

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langen deßen antwort 19 . Der große Gott, deßen die sache ist, und deßen ehre wir gleichwol wahrhafftig darinnen suchen, regire alles zu seines h. nahmens preiß und seines reiches beforderung.

Herr Conow 20 ist nun 5 wochen in dem amt 21 , und hat die liebe der ge- 45 meinde gewonnen, auch hoffe von ihm alles gute. Es wird aber etwa einige ermunterung einmal nicht undienlich sein. In dem es hie an widrigen nicht manglet, die ihn in Versuchung führen mögen: wie er auch noch nie in mein collegium gekommen ist. Am meisten sorge ich, möge wie andre nostri or- dinis also auch ihn vor den kopff stoßen, wann eclattiren wird, was wegen 50 Herrn Blanckenbergs vor seye, u. es von statten gehet 22 . In dem es bißher gantz secret gehalten werden muste, maßen sonsten die gantze sache leicht umgestoßen werden können. Es ist Herr Conow expresse in locum Herrn Fritzschens 23 und also tertium beruffen, wie aber die ascensio bißher üblich gewesen, wird es nicht ohne verdruß hergehen, da derselbe ihm vorgesetzt 55 wird, hinwider sich schwehrlich schicken, das Herr Blanckenberg ad interim ultimum locum occupire. 24 Der Herr helffe auch diesen stein wegweltzen. 25

Wegen Herrn Schaarschmids 26 sagte Herr D. Becker 27 des Czars 28 leibme- dicus, das die sache vor denselben als er noch darinne gewesen gekommen, und gegentheil inhibition geschehen. 29 60

43 /darinnen suchen,/. 46 /aber/. 52 maßen ( weßen(?). 59 /als er noch darinne gewe­sen/.

19 Nicht ermittelt. Zur Berufung Blankenbergs zum adjungierten Propst an St. Nikolai vgl. Brief Nr. 158, Anm. 13.

211 Dietrich Christian Cunov (s. Brief Nr. 158, Anm. 4).

21 2. Diakon an St. Nikolai.

22 Die Einsetzung Blankenbergs als Adjunkt Speners und somit die Schaffung einer ent­sprechenden Stelle.

23 Johann Fritzsch (s. Brief Nr. 149, Anm. 8).

24 Spener wollte die Stelle des 2. Diakons, die Cunov eigentlich einnahm, bis zur Schaffung einer Adjunktenstelle für Blankenberg freihalten. Erst im Februar 1700, als die Frage des Gehalts für Blankenberg geklart und die Stelle des 2. Diakons somit tatsächlich frei war, nahm Cunov diese ein (vgl. Aland, 164-166; Brief Nr. 195, Z. 31ff). Am 13.3.1700 wurde Johann Rau (s. Brief Nr. 134, Anm. 21) zum 3. Diakon berufen (Aland, 86).

25 Vgl. Mt 28,2; Mk 16,3.

26 Justus Samuel Scharschmidt (s. Brief Nr. 111, Anm. 5).

27 Christoph Becker war im Jahre 1698 von Amsterdam als Leibarzt Peters I. (s. Anm. 28) nach Russland gekommen. Bereits 1699 wurde er aber wieder nach Deutschland entlassen und überbrachte Francke Scharschmidts Brief vom 4.2.1699 (s. Brief Nr. 166, Anm. 6; Russian Biographical Archiv 43, 20; W.M. von Richter, Geschichte der Medicin in Russland, Bd. 2, Moskau 1815, 400f; vgl. Winter, 57f [ohne Nennung des Vornamens]).

2 " Peter I., Alexejewitsch, der Große (s. Brief Nr. 165, Anm. 16).

29 Die Formulierung bezieht sich auf die Auseinandersetzungen Scharschmidts mit den Moskauer Pfarrern Barthold Vaget (s. Brief Nr. 151, Anm. 18) und Franz Lorenz Schräder (s. Brief Nr. 165, Z. 31 ff und Anm. 14), ist aber unklar: Vermutlich zu einem Zeitpunkt, als Becker noch in Moskau war, kam die Angelegenheit offenbar vor den Zaren. Dieser hatte wohl der Gegenpartei (mhd.Gegenteil", vgl. Duden 3, 1252) Scharschmidts ein Verbot ausgesprochen.