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Nr. 168 Ph.J. Spener an A.H. Fmncke 1.7.1699

Herr M. Drachstett 30 hat an mich geschrieben, und mir seine erklährung gesandt, wie er coram commissione die Wahrheit 1692 geleugnet. 31 Habe die sache Herrn gehfeimem] Rfath] von Fuchs 32 zugestelt, der sich drüber verwundert, u. solle ad acta geleget werden. Habe auch im übrigen, wie ge- kont, ihn schrifftlich u. mündlich recommendiret 33 : und hoffe, er werde ihm nicht entstehen. Wegen Herrn M. Trostens 34 haben Herr Schräder 35 u. Herr Taegel 36 an mich geschrieben, und seine bittschrifft eingesandt 37 ; ich habe sie auch mit recommendation, so gut gekont, Herrn v. Fuchs zustellen laßen.

62 /1692/.

Die Information Beckers würde so implizieren, daß sich Speners Idee, den Zaren über Friedrich III. (s. Brief Nr. 18, Anm. 11) so zu beeinflussen, daß dieser sich für Scharschmidt einsetzte (s. Brief Nr. 165, Z. 34-39), bereits erübrigt hatte.

30 Johann August Drachstedt (s. Brief Nr. 50, Anm. 28).

31 Ein entsprechendes Schreiben Drachstedts ist nicht überliefert. Drachstedt hatte am 21.11.1692 vor der Untersuchungskommission geleugnet, daß er das Wohlgemeinte[s] Bedencken Uber die Von M. AUGUST Hermann Francken/ [...] gehaltene/ [...] Defensions-Predigt; [...] abgefasset von M.D.A.J., o.O. 1692 (s. Brief Nr. 50, Anm. 27) verfaßt und veröffentlicht hatte (AFSt/H D 92: 129£). Aus einer von Drachstedt geschriebenenspecies facti" vom 3.5.1699 geht hervor, daß Drachstedt zu diesem Zeitpunkt intensiven Kontakt mit Francke pflegte und daß deshalb zumindest Christian Nicolai (s. Brief Nr. 34, Anm. 3) ihm mit großer Skepsis begegnete (AFSt/H D 95: 167f).

32 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).

33 Nicht überliefert.

34 Heinrich Julius Trost (1655-4.9.1720), geb. in Greiz; 1672 Studium in Erfurt, 1677 in Jena (1678 Magister); 1684 Stiftsprediger in Alsleben, 1699 Pfarrer in Eisdorf bei Halle (Matrikel Erfurt, H. 10, 131; Matrikel Jena 2, 830; Auskunft Pfarrerkartei der KPS; vgl. Anm. 37).

35 Vermutlich Caspar Bartholomaus Schräder, Pfarrer in Könnern (s. Brief Nr. 16, Anm. 36).

36 Wohl Immanuel Tögel (1665-6.9.1739), geb. in Laublmgen; 1690 Adjunkt, 1694 Diakon in Könnern (Auskunft Pfarrerkartei der KPS).

37 Bereits im Jahre 1697 war Trost, weil erein ärgerliches und einem Prediger unanständiges Leben führete", von den Alsleber Patronen Heinrich (gest. 1705), Johann Christoph und Johann Adolf (gest. 1714) von Krosigk (Dreyhaupt 2, Geschlechtsregister, 211) verklagt worden (vgl. GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 129, 1690-1700, 486-493. 498 [Schreiben des Konsistoriums an den Kurfürsten, 2.3.1699], Zitat 486 v ). Imjahre 1698 waren ein Votum des Schöppenstuhls Leip­zig und ein Gutachten der theol. und juristischen Fakultät Helmstedt zur Frage einer möglichen Translokation Trosts auf eine geringere Pfarrstelle eingeholt worden (aaO, Bl. 491 f [Beilagen A und B, Abschriften]). Aufgrund des Plädoyers des Konsistoriums für die Translokation vom 2.3.1699 (s.o.) war am 2.5. reskribiert worden, daß Trost nach Eisdorf bei Halle zu versetzen sei (GStA PK, aaO, Bl. 496f). Am 15.7. teilte von Fuchs dem Konsistorium jedoch mit, daß Trost gegen seinen Willen nicht versetzt werden könne, und legt das für diese Entscheidung ausschlag­gebende Schreiben Trosts, das hier gemeint sein dürfte, aber nicht überliefert ist, bei (GStA PK, aaO, Bl. 484). Am 1.8. wurde dennoch endgültig die Versetzung nach Eisdorf angeordnet (GStA PK, aaO, Bl. 483), was daran liegen könnte, daß die Herren von Krosigk hierfür einen Geldbetrag gezahlt hatten (vgl. von Canstein an Francke, 25.7.1699: dieStrafe, welche die von Kroseeck [!] wegen ihres predigers H. Trosts [...] erlegen solten [...]", könne Francke für das Waisenhaus angewiesen werden [Canstein/Francke, 63f, Zitat 63]).