Nr. 170 Ph.J. Spener an AM. Francke 11.7.1699

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ort daselbs hin 11 zu schreiben pflegen. Wegen Herrn M. Trost 12 habe noch gestern bey des Herrn gehfeimen] Rfaths] von Fuchs Secretario 13 laßen nachfragen, aber die antwort bekommen, seye noch keine resolution gefaßt, sondern der Herr geh[eime] R[ath] überlege die sache annoch. Ich weiß nicht, ob dem lieben Mann viel hoffnung machen könne. Die gegenpartey 14 mag bey hoff ein gewicht haben. Daß Herr Frömmichen gantz weggelaßen lD , ist sehr gut: höre immer mehr von seinen ärgerlichen reden, die vielem guten schaden können. Der Herr sehe ihn mit gnaden an 16 , um niemand weiter anstoß zusetzen. Der wolle auch unsers wehrten Herrn Ludolffs 17 (deßen brieffs communication mir angenehm gewesen 18 ) Christliche intention und reise ferner zu vieler frucht kräfftiglich segnen.

In deßen treue obhut schließlich mit gantzem wehrten hauß erlaßende verbleibe

Meines Hochgeehrten Herrn Gev[atters] und gel[iebten] Bruders zu gebet und liebe williger

Philipp Jacob Spener D. Mppria.

Berlin den ll.Jul. 1699

Ich höre, es hätte Herr Freilingshausen 19 vor sich selbs Exorcismum außgela- ßen 20 , so wünsche sich nicht also zu verhalten, dann da es denunciiret, würde es schlimme sequelas geben. In dem es heißt, es seye in Churf[ürstliches] jus Episcopale gegriffen, wo jemand proprio ausu einige cerimonien innovirt. Unser hauptwerck, das wir zu treiben haben, ist ohne das der weit verhaßt, laßet uns durch nebensdinge, darmit wir gedult haben können, derselben haß nicht mehr gelegenheit und vortheil über uns selbs geben.

Herren Herren August Hermann Francken Sanctissimae Theol[ogiae] und Linguarum Sanctorum profjessori] publico ordinario der universitet Halle, und pastori der gemeinde zu Glauche.

21 höre ] + (ich).

11 Nach Hohenstadt bei Hannover.

12 Heinrich Julius Trost (s. Brief Nr. 168, Anm. 34).

13 Nicht ermittelt.

14 Heinrich, Johann Christoph und Johann Adolf von Krosigk, die Patrone des Dorfes Ais­leben (s. Brief Nr. 168, Anm. 37).

15 [Johann Heinrich (?)] Frömmichen (s. Briefe Nr. 168, Anm. 40 und Nr. 169, Z. 18-21).

16 Vgl. Gen 4,4; Tob 4,7; Sir 11,13; EG 276, Strophe 3.

17 Heinrich Wilhelm Ludolf (s. Brief Nr. 111, Anm. 1).

18 Vgl. Brief Nr. 169, Z. 22-24 und Anm. 19.

19 Johann Anastasius Freylinghausen (s. Brief Nr. 94, Anm. 5).

20 Freylinghausen und Francke hatten den Exorzismus bei der Taufe seit Februar 1699 weg­gelassen (s. Brief Nr. 171, Z. 29-37 und Anm. 14).