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Nr. 171 AM. Francke an Ph.J. Später 15. 7. 1699

gehabt, daher ich ihm bey seiner großen Amts^Treue diese Erleichterung 35 des gemüths gern gegönnet. Wir haben unsern Todten im Febr. 1699 in der Stille beygesetzet, hoffen nicht, daß noch eine procession darüber gehalten werden soll. 14

Zu unserm Waisenh[aus] kauffen wir jetzo des Herrn Cammer Meister Wagners 15 freyguth, darauff wir schon 6000 thaler gebothen. 16 I[hre] Hoh- 40 heiten von Sachsen 17 und Pfaltz 18 geben alles Geld dazu zur fundation auff einige Kind. 19

Herr Wigers 20 schreibet aus London 21 , daß sie schon 40 arme Kinder auff anderer Unkosten zu informiren haben, und werden noch mehrere auch reiche kriegen. Ich verharre 45 M [eines] theur[esten] Vaters Gebethsch[uldigster]

A[ugust] H[ermann] Francke.

35 /im Febr. 1699/.

14 Über die Abschaffung des Exorzismus (= dieBeisetzung des Toten", vgl. Brief Nr. 173, Z. 52f) entstanden Auseinandersetzungen, die erst im April 1700 durch ein Reskript, das den Exorzismus für freiwillig erklärte, beendet wurden (s. Brief Nr. 205, Z. 2740 und Anm. 21; zu Speners Ansicht zum Exorzismus s. Briefe Nr. 172, Z. 1625 und Anm. 12 und Nr. 206, Z. 20-47 und Anm. 9).

13 Johann Heinrich Wagner, Rat und Kammermeister der Dom- und Schloßkirche in Halle (vgl. GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 159b, 1531-1699, Bl. 213-237). Lebensdaten wurden nicht ermittelt.

16 Francke, der an dem Gut in Trotha zur Dotierung des Waisenhauses und zur Versorgung der Kinder Interesse hatte, hatte hierfür zunächst 5000 Taler geboten (vgl. Francke [an Paul von Fuchs (?)], 8.7.1699, AFSt/W Rep. 1, II//1, 201f).

17 Anna Sophie, Witwe Johann Georgs III. von Sachsen (s. Brief Nr. 35, Anm. 6).

18 Wilhelmine Ernestine, verwitwete Kurfurstin und Pfalzgräfin bei Rhein (s. Brief Nr. 35, Anm. 6).

19 Ursprünglich hatte Carl Hildebrand von Canstein (s. Brief Nr. 143, Anm. 1) zugesagt, 7000 Taler zur Bezahlung des Gutes zu beschaffen (von Canstein an Francke, Anfang Juli 1699 [Can- stein/Francke, 61f|). Am 8.7. hatte er mitgeteilt, daß er lediglich 5000 Taler bereitstellen könne, und am 10.7. betonte er, daß es ihm recht sei, wenn das Geld aus Sachsen käme (aaO, 62f). Der Kauf muß vor dem 25.7.1699 vonstatten gegangen sein, denn zu diesem Zeitpunkt betont Can­stein, daß er Interesse daran habe, in Trotha zu wohnen (aaO, 63f).

2 " Jacob Bruno Wiegers (s. Brief Nr. 114, Anm. 17).

21 Wiegers an Francke, London 4.5.1699 (AFSt/H B 71 a : 100-102).