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Nr. 172 Ph.J. Später an AM. Funcke 29. 7. 1699
kommen, ja gar in Holland u. Engelland versendet worden. 22 Dann sonsten 65 vor denselben, das er das ministerium und seinen inspectorem nicht injuriirt, dieses militirt, das er seine klagen nicht divulgiret, sondern an gehörigem ort denunciiret, welches an sich selbs unsträfHich. Nun der Herr zeige mittel und wege auß der sache zu kommen, und sehe an die redliche in der sache habende intention. In deßen treue obhut u. regirung schließlich empfehlend 70 verbleibe
Meines Hochgeehrten Herrn Gevfatters] und gelfiebten] Bruders zu gebet und liebe williger
Philipp Jacob Spener D. Mppria.
Berlin den 29.Jul. 1699.
75 Es klaget auch Herr geh[eimer] R[ath] Stößer 23 , das unter den studiosis al- lerley verdächtige und ihnen nicht dienliche bücher hirum gehn 24 , sonderlich Schwenckfelds 25 schrifften wider auffgelegt werden sollen 26 . Wäre beßer, sie blieben bey der Bibel oder doch lesen keine andre als ihnen dienliche bücher.
80 Dem HochEhrwürdigen, Großachtbaren und Hochgelehrten, Herren August Hermann Francken, der Heiligen schrifft und so Griechischer als Morgenländischer Sprachen proffessori] publ[ico] ordinario bey hochlöbl[icher] Churffürstlicher] universitet zu Halle, auch pastori zu Glauche.
Meinem Hochgeehrten Herrn Gevattern und in dem Herren geliebten 85 Brüdern. Glauche
75—79 Es klaget ... dienliche bücher. ] : Am linken Rand hinzugefügt.
22 Francke leugnete entschieden, sein „Bekenntnis" selbst verbreitet zu haben (vgl. Brief Nr. 173, Z. 15ff).
23 S. Anm. 15.
24 Das Argument, daß Francke bzw. die Hallenser theol. Fakultät den Umlauf verbotener Bücher unter den Studenten fördere, spielte sowohl in der Kommission von 1692 als auch derjenigen von 1700 eine zentrale Rolle (s. Briefe Nr. 58, Anm. 8 und Nr. 222, Anm. 16f).
25 Kaspar Schwenckfeld von Ossig (1489—10.12.1561), Spiritualist und Separatist, geb. in Ossig bei Liegnitz; Studium (Jura ?) 1505 in Köln und 1507 in Frankfurt/Oder; 1511 im Dienst Friedrichs II. von Liegnitz; seit 1518 als Laientheologe eine der führenden Gestalten der Reformation in Schlesien bei zunehmender Abwendung von Luther u.a. in Abendmahlsauffassung und Betonung der Ethik; 1529 Weggang aus Schlesien und Aufenthalt in Straßburg, 1533 in Augsburg, 1535 in Ulm; 1540 Verurteilung seiner Lehre in Schmalkalden, seitdem unstetes Leben als Wanderprediger und Sammlung einer Anhängerschaft v.a. in Süddeutschland (DBA 1164, 70-91; ADB 33, 402- 412; Jöcher 4, 412f; RE 3 18, 72-81; RGG 4 7, 1072-1074; BBKL 9, 1215-1235 [Lit.]; H. Weigelt, Spiritualistische Tradition im Protestantismus. Die Geschichte des Schwenckfeldertums in Schlesien, Berlin 1973; R.E. McLaughlin, The freedom of spirit, social privilege, and religious dissent: Caspar Schwenckfeld and the Schwenkfelders, Baden-Baden u.a. 1996 [Lit. 255-271]).
26 Schwenckfelds umfangreiches Schrifttum liegt weitgehend ediert vor (Corpus Schwenck- feldianorum, 19 Bde., Leipzig 1907ff, Pennsburg 1936S). Um 1699/1700 datierende Neuauflagen von Schriften Schwenckfelds konnten nicht nachgewiesen werden.