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Nr. 113 A.H. Franckc an Ph.J. Später 31.7. 1699
ich ins consistorium gegeben, eins dem Herrn von Fuchß" geschicket, sonst keinem Menschen in der gantzen Welt. 12 Es ist ab altera parte unfürsichtig spargiret. 13 Man hat es von mir von vielen Orten her instantissime verlanget,
20 aber ich habe es beständig abgeschlagen, auch meinen allerbesten Freunden efxempli] g[ratia] Herrn Lüders 14 , denen zu Gotha verissimum dico 15 , ich habe mich dißfalls wohl bewahret. Aber das ministerium divulgiret seine eigene Schande. Herrn Gehfeimen] R[ath] Stössern 16 habe ich damit, seinem eigenen Geständniß nach offendiret, daß ich das Waysenhauß unter der Uni-
25 versitaet, und nicht unter der Regirung Jurisdiction seyen lassen, welches doch aus wichtigen Ursachen anders nicht seyn können. Versuchet man eine gütliche composition so werde ich der Ehre meines Gottes nichts vergeben, sonst mir alles gern gefallen lassen, wo es nur meine Ehre betrifft. Ich trotze auff Gott, der wird mir helffen. Er ist mächtig genug. Herrn Lüders ließe ich
30 mir zum Commissario sehr wol gefallen. 17 Wolte man von Berlin jemand dazu nehmen, könte es der Herr Hoffrath Hülsemann 18 seyn. 19 Könte aber nicht etwa mit dem Herrn Gehfeimem] R[ath] von Fuchß conferiret werden, ob ich nicht jetzo einmahl nach Berlin kommen dürffe. 20 Durch meine mündliche Vorstellung hoffe ich der Sache am besten ein loch zu machen, und sonst
35 noch dazu sehr viel gutes auszurichten. Wann es der Herr Geh[eime] Rath von Fuchß und Er mein theurfester] Vater für genehm hielten, so wolte ich unseumig kommen. Ich schreibe heute an den Herrn Geh[eimen] R[ath] und thue ihm eine gründliche Vorstellung, wie ich meine, daß vielen troublen im Lande durch eine general-visitation des Herzogth[ums] Magdebfurg] könne
40 mit eins abgeholffen, und noch dazu viel gutes erhalten werden. 21 Und wolte
24 Waysenhauß ] + (nicht). 24f Universitaet, ] + (s). 40 abgeho/l/ffen.
11 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).
12 S. Brief Nr. 161, Z. 6-11 und Anm. 5.
13 Francke ging also davon aus, daß sein „Bekenntnis" (s. Anm. 9) von den Halleschen Stadtgeistlichen verbreitet worden war. Dabei ist nicht klar, ob er dies nur vermutete, oder ob er darüber sichere Informationen hatte.
14 Justus Lüders (s. Brief Nr. 7, Anm. 18).
15 Zu den besten Gothaer Freunden zählte Francke wohl Johann Hieronymus Wiegleb (s. Brief Nr. 8, Anm. 15), vermutlich auch Gottfried Vockerodt (s. Brief Nr. 16, Anm. 44), Heinrich Fergen (s. Brief Nr. 10, Anm. 3), Johann Ernst Gerhard d.J. (s. Brief Nr. 108, Anm. 6) und Johann Müller (s. Brief Nr. 108, Anm. 7).
16 S. Anm. 6.
17 Zu diesem Vorschlag vgl. Brief Nr. 172, Z. 51f.
18 Theodor Hülsemann (gest. 1716), zunächst Hof- und Kammergerichtsrat, seit 1709 königlich preußischer Geheimer Justitien- und Oberapellationsrat in Berlin (Müller/Küster 3, 355. 380. 403).
19 Stößer von Lilienfeld hatte dagegen Franz Julius Lütkens (s. Brief Nr. 44, Anm. 38) vorgeschlagen (s. Brief Nr. 172, Z. 42-44).
20 Zu Franckes Berlinreise s. Brief Nr. 175, Anm. 5.
21 Ein entsprechender Brief Franckes an von Fuchs ist nicht überliefert.