Nr. 176 AM. Frauke an Ph.J. Spcner 24. 9. U99
631
acht nehmen wolten, was ihnen anbefohlen. Gott der überschwenglich thnn kan f ', laße noch vielen Segen daraus fließen. 15
Es hat einer Namens M. ChristofF Otto von Lünebfurg] Prediger an Dom St. Nicolfai] in Stendal 7 an mich geschrieben 8 , u. gebeten ihn meinem theur[esten] Vater zu recommendiren. Er wil gern Inspector werden in Oster- burg. Wie weit er in der lebendigen Erkentniß Christi kommen sey, kan ich aus seinen Predigten, die er mir zugeschicket 10 , wegen Mangel der Zeit sie 20 durchzulesen nicht erkennen. Ich sehe wol daß er gegen die Neulinge de loco tertio" redet. Er ist ehemals mein discipulus gewesen, in meinem unbe- kehrten zustande 12 , darnach hat er sich zu Carpzovio 13 gehalten, war sonst eines etwas einfaltigen und nicht bösen Gemüths.
Herr Elers 14 wolte gern von unserm Waysenhause einen Jahrgang meines 25 theur[esten] Vaters verlegen laßen, welches ich anbringen sollen, aber ver- geßen; und deswegen nun darum gebeten haben wil, doch nur, wenn es nicht etwa über verhoffen, einiges Bedencken hat. Könte es dieses letzten Jahrs predigten seyn, wäre es uns desto erfreulicher. 15 Es geschehe aber auch hierinnen des Herrn Wille. 16 30
Dem lieben Herrn Breithaupt 17 ist es gar schmertzlich, daß die Mese- bergische inspections=Sache nicht zum Stande kommet 18 , da der successor 19 gewiß den Schaden fühlen wird.
17 u. | + mich: D.
6 Eph 3,20.
7 Christoph Otto (gest. 6.7.1700), geb. in Lüneburg; 1686 Studium in Leipzig (1689 Magister), 1690 in Wittenberg, 1691 in Frankfurt/Oder; seit 1695 Diakon am Dom in Stendal (Matrikel Leipzig, 321; Matrikel Wittenberg, 250; Matrikel Frankfurt/Oder 2, 220; Auskunft Pfarrerkartei der KPS).
8 Christoph Otto an Francke, Stendal, 12.8.1699 (AFSt/H C 205: 3).
9 Zur Nachfolgeregelung in Osterburg s. Brief Nr. 177, Z. 12—14.
10 Otto hatte Francke am 12.8.1699 einen Band von ihm gehaltener, edierter Predigten mitgesandt. Ein Exemplar des Buches konnte nicht nachgewiesen werden.
11 Die Lehre von einem dritten Ort im Jenseits und damit verbunden von der Apokatastasis panton wurde seit der Mitte der 90er Jahre von Johanna Eleonora und Johann Wilhelm Petersen (s. Briefe Nr. 7, Anm. 46 und Nr. 17, Anm. 33) vertreten (vgl. Brief Nr. 110, Z. 107-139). Während Francke diese Auffassung rezipierte, lehnte Spcner derartige Überlegungen als hypothetisch ab (s. Briefe Nr. 110, Anm. 43 und 47 und Nr. 115, Anm. 2).
12 Zwischen dem Sommersemester 1686 und Oktober 1687 (Franckes Bekehrung in Lüneburg) in Leipzig (vgl. Otto an Francke, s. Anm. 8).
13 Johann Benedikt (II.) Carpzov (s. Brief Nr. 12, Anm. 16).
14 Heinrich Julius Elers (s. Brief Nr. 3, Anm. 7).
15 Zu Speners Antwort s. Brief Nr. 177, Z. 19-37.
16 Mt6,10par.
17 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).
18 Es geht um die Regelung der Nachfolge für den am 30.6.1699 verstorbenen Meseberger Pfarrer Johann Heinrich Schröder (s. Brief Nr. 21, Anm. 16), die mit der 2. Kirchen- und Schul- inspektion im Holzkreis Magdeburg verbunden wurde (s. Anm. 19 und Brief Nr. 177, Z. 14f und Anm. 13).