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Nr. 178 AM. Francke an Ph.J. Spetwr 7. 10. 1699
Wegen der Propstey des Closters vor Egeln 11 ist mein und meiner Col- legen 12 Meynung, ob 3tius Prozessor] Theolfogiae] 13 selbige erlangen, und
15 also daher ein fixum salarium beständig haben könte. Mir sind 200 thaler ratione Prof[essionis] theol[ogicae] assigniret, dazu noch kein fundus ist, und sollen nur ad interim 500 thaler von accis Geldern der universitaet zugewendet werden, (dazu aber auch noch erst der Landes=Stände Bewilligung gehöret) davon die mir assignirten 200 thaler genommen werden sollen, daß
20 also solches nichts beständiges ist. Noch sind mir 100 thaler jährlich assigniret von einem Westerholtz, Halberstätischen Canonico 14 , der so lange er lebet solches geben muß, darnach cessirets auch. Diese 100 könte ich dann auch Herrn M. Michaelis 15 abtreten, daß er also jährlich 200 thaler hätte. Wiewohl ich nicht weiß wie viel die Probstey traget. Es solte ja billig ein jeder
25 Professor Theologiae 500 thaler haben. Denn accidentia von Collegiis haben wir gar nicht, würden auch dadurch, wenn wir dergleichen nehmen wolten, das Werck des Herrn sehr hindern. Da ich nun vor allen andern bißhero so gar schlecht bin abgespeiset worden, daß ich 4 Jahr lang ratione Professionis gar keine Besoldung empfangen, darnach nur 100 thaler jährlich empfangen,
30 hingegen für meine Pastoratbesoldung einen adjuncten 16 gehalten, biß nun endlich 200 thaler aber ohne fundo assigniret worden, hat mir zwar Gott mit meiner Haußhaltung, ich mag wohl sagen, wunderbarlich durchgeholffen, aber ich habe mir die Bücher, die ich öffters zur rechten Verwaltung meiner Profession nöthig genug gebrauchet, nicht anschaffen können, welches gewiß
35 keine geringe Hinderniß giebet, ex omni parte seinem amt ein genügen zu thun. So nun dieses etwa ein Mittel seyn möchte, mir et successoribus besser zu prospiciren, würde ichs wohl mit danck von Gott und den Obern annehmen, und weil ich weder für mich noch für meine Kinder was bey- zulegen gewohnet bin, es lauterlich zur Ehre Gottes und meines Nechsten
40 Nutzen anwenden 17 . Ich weiß nichts zur Sache zu thun, und wil es auch gern der Regirung Gottes anheim geben, ob mein theurester Vatjer] in der Sache etwas für mich oder vielmehr für unsere Universitaet zu thun für gut befinde. Denn mich hat Gott noch nie versäumet 18 , nachdem ich gelernet
in Wittenberg, 1681—1711 Landrat des Herzogtums Magdeburg, 1692 zudem Regierungsrat und Obersteuerdirektor; ab 1703 auch königlich preußischer Geheimer Rat (DBA 235, 375f; Dreyhaupt 2, Geschlechtsregister, 207; Matrikel Wittenberg, 88; H. Giungmuth, Die Behördenorganisation im Herzogtum Magdeburg. Ihre Entwicklung und Eingliederung in den brandenburgisch-preußischen Staat, Halle 1935, 104).
11 S. Brief Nr. 177, Z. 55-68 und Anm. 28.
12 Breithaupt (s. Anm. 5) und Paul Anton (s. Brief Nr. 110, Anm. 64).
13 Francke.
14 Wohl Friedrich Engelbert, Freiherr von Westerholt, Domherr zu Halberstadt und Hildesheim, der 1707 kurpfälzischer Gesandter in Münster war (Gauhe 1, 2870).
15 Johann Heinrich Michaelis (s. Brief Nr. 148, Anm. 8).
16 Johann Anastasius Freylinghausen (s. Brief Nr. 94, Anm. 5).
17 Vgl. Strophe 2 des Liedes „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr" von Martin Schalling, 1571 (EG 397).
Is Vgl. Jos 1,5; Hebr 13,5.