Nr. 178 A.H. Francke an Ph.J. Spater 7.10.1699 641
mit Nahrung u. Kleidern vergnügt zu seyn, ob mich wol die Welt so viel die äußerliche Versorgung betrifft, fast immer übersehen hat, dafür ich Gott auch 45 hertzlich lobe.
Was den Herrn Hoffmann 19 betrifft halte ich des Herrn Lüders Vorschläge 20 nicht practicable, oder so sie es sind, weiß ich doch nichts beyzutragen, wie hertzlich ichs auch wünschete. Er hat jetzt Hoffnung zur Profjessioni] Extra- ordfinariae] Iuris und in die Facultaet zu kommen. Gott wird dann weiter 50 helffen. Es zeiget sich auch eine bessere Hoffnung für ihn, aber nur noch von fern. 2 ' Man saget sonst, daß Probst Müller von Magdeburg 22 solte Professor Theologiae zu Jena werden. 23 Da wäre wol zu vigiliren, entwfeder] die Prob- stey ad academiam, oder einen wichtigen Mann dorthin zu bringen. 24
Ich verharre 55
M[eines] thfeuresten] Vfaters] Gebethschuldfigster]
Afugust] Hfermann] Francke.
19 August Hoffmann (s. Brief Nr. 116, Anm. 36).
20 Zu Justus Lüders' (s. Brief Nr. 7, Anm. 18) Vorschlägen betreffs einer Anstellung für Hoffmann s. Brief Nr. 177, Z. 69-84.
21 Vermutlich meint Francke das Angebot der Regierungsratsstelle in Darmstadt (s. Brief Nr. 180, Z. 31-35).
22 Philipp Müller (s. Brief Nr. 143, Anm. 22).
23 Müller wurde erst im Jahre 1702 Theologieprofessor in Jena.
24 Müller, der bereits im Jahre 1698 begonnen hatte, am Kloster ein Pädagogium einzurichten, wurde im Jahre 1702 als Propst abgesetzt (s. Brief Nr. 216, Anm. 26). Seit dem Amtsantritt seines Nachfolgers Johann Fischer (s. Brief Nr. 116, Anm. 52), der 1705 von Breithaupt abgelöst wurde, wurde das Pädagogium in starkem Maße durch in Halle ausgebildete Lehrer und Hallesche Unterrichtsmodelle geprägt (vgl. R. Lächele, Das Pädagogium am Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg und der Hallesche Pietismus, in: Zwischen Kanzel und Katheder. Das Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg vom 17. bis 20. Jahrhundert [Ausstellungskatalog], Magdeburg 1998, 39-46).