Nr. 183 Ph.J. SpeneranA.H. Fmncke 28. 10. 1699

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halb jähr dastehen würde. 25 Sonderlich würden auch die stände gegen ihn sich setzen. Unter diesen sollen etliche (die bey der jährlichen versamlung hie gewesen 26 ) nechsten Sontag 27 Herrn Papen 28 alhier ea intentione gehöret 35 haben, ihn S[einer] Churfjurstlichen] Durchlaucht 29 wegen der künfftigen Superintendentz vorzuschlagen. Soviel halte mich versichert, das sie mit allen kräfften sich widersetzen werden, das keiner der Pietismi suspectus zu ihnen komme. Herrn Welmern 30 wolte gleich selbs an wichtigen ort befordern, wo es in meinem vermögen stände: wie auch Herrn Lackmann 31 : Was aber Herrn 4« Zeisium 32 anlanget, liebe zwahr das in ihn gelegte pfund der gnade und seine treue, aber über eine gemeine prediger stelle dörffte sich sein maaß nicht wol erstrecken. Ich muß die jetzige bestellung zu Gardelegen, da ich noch nicht raths gefragt worden, noch mir Gott einen andern weg darzu gezeigt, das ich vorschlagen solle, allein der h. führung Gottes übergeben, und ihn seiner 45 Kirchen gnädig zusein anruffen.

Herrn M. Süßen 33 (wie auch Herrn Bernstein 34 , den zwahr nicht gekant) gratulire zu ihrer seligen aufflösung 33 , der Kirchen Verlust aber bedaure hertz­lich. Der Herr ersetze ihn: Der auch nach Venedig senden wolle, den er tüchtig gemacht. 36 Die beide ernannte leute 37 sind mir nicht bekant, sondern 50 allein Herr Scherer 38 , der einmal bey mir gewesen 39 . Was von Herrn Ludolff

25 Lange hatte mit seiner Derenburger Gemeinde insbesondere dem Amtmann und dem Bürgermeister erhebliche Auseinandersetzungen, weil er den nach seiner Auffassung nicht Bußfertigen Absolution und Abendmahl verweigerte. Obwohl die Angelegenheit unter dem Vorsitz von von Fuchs bereits vor dem Konsistorium verhandelt worden war, zogen sich die Streitigkeiten bis zum Wechsel Langes nach Brandenburg im Jahre 1705 hin (Henckel 3, 79278, v.a. 229-251).

26 Es muß sich, da es abgesehen von den Huldigungslandtagen seit 1653 in der Kurmark keine Plenarlandtage mehr gab, um eine Versammlung der Deputierten der kurmärkischen Landschaft, den sog.Großen Ausschuß", der sich unter ständigen personellen und zeitlichen Einschränkun­genjährlich in Berlin traf, handeln (vgl. P. Baumgart, Zur Geschichte der kurmärkischen Stände im 17. und 18. Jahrhundert, in: Ständische Vertretungen in Europa im 17. und 18. Jahrhundert, hg. D. Gerhard, Göttingen 2 1974 [VMPIG 27], 131-161, hier 143f. 155-157).

27 Spener dürfte den vorherigen Sonntag (22.10.1699) meinen.

28 Wohl Peter Sigismund Pape (20.4.1666-3.1.1733), geb. in Bad Freienwalde; zunächst Rektor und 1687 Hilfsprediger in Bad Freienwalde; 1691 Diakon an St. Petri in Berlin, 1722 Archidiakon ebd. (Pfarrerbuch Brandenburg 2/2, 619).

29 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).

30 Johann Weimer (s. Brief Nr. 177, Anm. 26).

31 Petrus Lackmann (s. Brief Nr. 157, Anm. 10).

32 Philipp Christoph Zeise (s. Brief Nr. 79, Anm. 14).

33 Heinrich Süße (s. Brief Nr. 7, Anm. 33).

34 Christian Andreas Bernstein (s. Brief Nr. 182, Anm. 14).

35 S. Brief Nr. 182, Z. 18-21.

36 Vgl. 2Kor 3,6. - Zu Franckes Anliegen, einen Prediger nach Venedig zu senden, s. Brief Nr. 182, Z. 21-26.

37 Wohl die von Francke genannten Johann Christoph Pommer und Matthias Lauber (s. Brief Nr. 182, Anm. 18 und 19).

38 Nicht ermittelt.

39 Nicht ermittelt.