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Nr. 198 Ph.J. Spener an A.H. Francke 13.3.1700

Wie weit es mit Herrn M. Meurern 7 betreffend die Stendalische oder Alt- Marckische stelle 8 gekommen, nemlich daß er darzu Churfjurstlicher] Seiten 9 ernennet, und zur probpredigt befehl ertheilet worden, wird von ihm selbs erzehlet worden sein. Jetzt gibt es difficultet, und will Herr Bernhardi 10 , nach

20 dem er sein amt noch zu verrichten vermöge, keinen adjunctum haben. 11 Er erinnert sich aber nicht, das er m[ense] Octfobris] an mich selbs ein memorial gesandt, und praesentirt zu werden gebeten 12 (wie es dem Herrn geh[eimen] Rath von Fuchs 13 übersandt) in dem er um Herrn Langen 14 angehalten: da in meinem schreiben er die formalia brauchte: Ich bin noch soweit gesund,

25 das ich mein amt mit predigen, examiniren und ordiniren verrichten kan: darff also keines substituti: ohn diesen (Herrn Langen meinende) könte ich leiden, nur pietet zustifften. Welche letztere worte außtrücklich in sich faßen, das er ihn nicht allein zum successore sondern auch adjuncto verlangt. Halte also, wo er von wehrtem Herrn Gevattern oder andern, die etwas bey

30 ihm vermögen, versichert würde, an diesen Herrn M. Meurern einen stillen, Christlichen und vergnügsamen collegam zubekommen, er sich weisen laßen, und selbs die sache befordern würde, damit viel gutes außgerichtet werden könte. 16 Wie er dann vor andern zu solcher wichtigen stelle geschickt. Des­wegen freundlich bitte, was sich in der sache thun laßet, in der forcht der

35 Herren zu versuchen. Dieser aber gebe selbs gnade darzu 17 : Sonsten solte es zurück gehen, fallet das looß auff einen widrigen, der ihms vor mehren jähren versprochen zu sein vorgibet, aber nicht gut sein würde, wo er soviel macht in seine hände bekäme.

Im übrigen ist uns wider von Dreßden geschrieben worden 18 , wegen des

40 jungen in dem waisenhauß 19 , deßen willen auch in Liechtenburg mit wehr-

23 /ange/halten. 34 was(wo(?).

7 Johann Christoph Meurer (s. Brief Nr. 21, Anm. 18).

8 Adjunkt des Generalsuperintendenten in Stendal.

9 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).

10 Daniel Bernhardi (s. Brief Nr. 182, Anm. 6).

11 Das entsprechende Memorial Bernhardis erwähnt Carl Hildebrand von Canstein (s. Brief Nr. 143, Anm. 1) in einem Brief an Francke vom März 1700 (Canstein/Francke, 80f, hier 81; vgl. Brief Nr. 202, Z. 53-65 [Extrakt aus Schreiben Bernhardis]).

12 Bernhardis Memorial datierte vom 21.10.1699 (vgl. Bernhardis Brief unter demselben Datum an Francke, AFSt/H F 14: 364f).

13 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).

14 Nikolaus Lange (s. Brief Nr. 7, Anm. 12).

15 Das Schreiben wurde nicht ermittelt.

16 Das entsprechende Schreiben Franckes an Bernhardi datiert vom 16.3.1700 (s. Brief Nr. 199, Z. 6-8).

17 Vgl. Sir 15,10.

18 Nicht überliefert.

19 Wohl Michael Friedrich Schubart aus Dresden (geb. 1685), Sohn eines Sekretärs, der am 11.11.1697 in das Waisenhaus aufgenommen worden war und in der Apotheke arbeitete. Er sei am 26.4.1700davon gelauffen" (Waisenalbum, 13 [Nr. 74J).