Nr. 198 PhJ. Spener an A.H. Francke 13.3.1700
701
tem Herrn Gevattern gesprochen habe 20 . Es hat Ihre Hoheit die Churfür- stin 21 seiner muhme 22 auff unterthäniges ansuchen erlaubt ihn abzufordern, sie beschwehret sich aber, das man ohne schrifftliche zeugnus (darum man nicht gern nochmal anhelt) ihn ihr nicht wider überlaßen wolle: da er doch gantz ungesund, und von einem fall bey dem holtztragen einen schaden be- 45 kommen. Achte daher vor gut, und wolte dero auch hiemit geraten haben, auff Ostern, da sie wider eine gelegenheit vor ihn hoffet, den jungen zu di- mittiren 2 -': in dem ich sonst billich einige ungelegenheiten darvon sorge, nach dem sich jemand darvor interessiret, da es beßer ist, in gutem vernehmen zu bleiben.
Herrn D. Fischers 24 warte nun mit mehrer gewißheit alle tag 23 , und hoffe 50 der Herr solle sein werck segnen. Ich habe aber auch gehört, das wehrter Herr Gevatter einmal in gedancken gefaßt, die A[ugsburgische] Conffession] und Apologie 26 absonderlich trucken zu laßen 27 : dieses hielte nun mit Herrn Bfaron] von Schweinitz 28 sehr dienlich, und zwahr sie an die landstände des Hertzogthums zu dediciren, und eine praefation darzu zumachen mit einer 55 recommendation der herlichen darinnen enthaltenen materien von der recht- fertigung und heiligung: doch müßte solche vorrede so stylisirt sein, daß der zweck der stifftung guten Vertrauens erhalten werde. Ich achte, es solte gut sein, wo das wercklin bereits auff die meß 29 heraußkäme, wäre recht de tempore. 60
Im übrigen habe den 3. huius als auff den bußtage Herrn Blanckenberg 30 als meinen adjuncten und successorem investirt, und hat er Sontags die an-
43f /(darum man nicht gern nochmal anhelt)/.
20 Da sich Spener nachweisbar nur einmal jahrlich, ausschließlich in den Monaten Mai bis September, in Lichtenburg aufhielt (vgl. Brief Nr. 120, Anm. 1) und dieser Besuch für Juni 1700 nachweisbar ist (vgl. die in Lichtenburg am 16.6.1700 gehaltene Predigt [Grünberg Nr. 66]), meint er vermutlich den gemeinsamen Aufenthalt vom 11. bis 18.9.1699 auf Franckes Rückreise von Berlin (s. Brief Nr. 175, Anm. 5).
21 Wohl Anna Sophie, die in Lichtenburg lebende verwitwete Kurfürstin von Sachsen (s. Brief Nr. 35, Anm. 6), die mehrfach Kinder an das Waisenhaus vermittelte.
22 Nicht ermittelt.
23 Die Bemerkung zu Schubarts Abgang aus dem Waisenhaus (s. Anm. 19) spricht dafür, daß es zu einer regulären Entlassung zu Ostern (31.3.1700) nicht gekommen ist (vgl. auch Brief Nr. 199, Z. llf).
24 Johann Fischer (s. Brief Nr. 116, Anm. 52).
25 Zur Ankunft Fischers s. Brief Nr. 190, Anm. 11.
26 Die Confessio Augustana und die Apologie der CA waren lateinisch und in deutscher Übersetzung durch Justus Jonas 1530 erstmals und seitdem in zahlreichen Auflagen erschienen (Confessio odder Bekantnus des Glaubens etlicher Fuersten und Stedte: uberantwort Keiserlicher Maiestat: zu Augspurg, Anno 1530. Apologia der Confessio, Wittenberg 1530).
27 Eine entsprechende Edition ist nicht nachweisbar.
28 Georg Rudolph von Schweinitz (s. Brief Nr. 30, Anm. 5). 25 Spener dürfte die Ostermesse in Leipzig meinen.
311 Konrad Gottfried Blankenberg (s. Brief Nr. 22, Anm. 31).