Nr. 203 A.H. Francke an Ph.J. Spam 30. 3. 1700
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hat eine sehr feine, erbauliche Gabe zu predigen, und schicket sich sehr wohl zu armen Leuten. Der andere hat auch gute studia, so viel ich weiß. Es ist auch einer hier, Namens M. Liscovius 8 eines Pfarrers 9 Sohn von Würzen, der an seiner freundschafft viel treue erwiesen, und sie meistens zur furcht Gottes angeleitet, auch hier gute dienste gethan, und wird alt, daß ich ihn wol in ein ampt wünschen möchte, hat auch ein gar feines donum zu predigen. Der wird ohne dem auf Ostern auf seiner Reise in Pommern 10 zu Berlin einsprechen, da man ihn prüfen könte. Ich muß aber bekennen, daß ich seine Gabe bräuchlicher hielte auff einem Dorff, oder in einer kleinen Stadt, als in Berlin. Er könte eher nach Tertz wieder recommendiret werden. Auch ist einer hier Namens M. Leutholff, informator Paedagogii 1 dessen Schwester 12 den Superintendenten] zu Eisenach 13 hat 14 , hat noch ein ziemlich exterieur und gute studia, aber Herr Töllner wäre zu solcher function wichtiger.
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8 Christian Salomo Liskow (25.7.1670—5.3.1719), geb. in Otterwisch bei Grimma; 1691 Studium in Wittenberg (1693 Magister), 1695/97 in Halle; 1698 Konrektor in Großenhain, dann Tischinspektor des Waisenhauses in Halle; 1705 Hospitalprediger in Königsbrück, 1713 Pfarrer in Dobia im Vogtland (DBA 771, 225f; Jöcher EB 3, 1949; Dreyhaupt 2, 157 [„Salomo Christian"]; Matrikel Wittenberg, 203; Matrikel Halle, 269; Pfarrerbuch Sachsen 2, 540).
9 Salomo Liskow (1640—1689), geb. in Niemitzsch in der Niederlausitz; 1664 Pfarrer in Otterwisch bei Grimma, seit 1685 Diakon in Würzen (DBA 771, 241-250; Jöcher EB 3, 1950; Pfarrerbuch Sachsen 2, 539).
111 Liskow besuchte in Pommern vermutlich Verwandte: In Pritter bei Wollin war 1696 Lis- kows Bruder Samuel (geb. 1667) gestorben (vgl. Pfarrerbuch Pommern 1, 680); möglicherweise bestand auch Verwandtschaft zu Ernst Bogislaw Liskow aus Köslin, der 1694 in Halle studiert hatte (Matrikel Halle, 269).
11 Heinrich Gottlieb Leutholf (30.3.1674-Sept. 1750), geb. in Oßmannstedt; 1690 Studium in Erfurt (Magister), 1694 in Jena; 1699 Studium in Halle und Informator am Paedagogium Regium, 1700 Informator beim Grafen Ernst von Metternich (s. Brief Nr. 216, Anm. 14) in Regensburg; 1712 Hofdiakon und Rektor in Aurich, 1713 Rektor in Norden (DBA 759, 108-110; Jöcher EB 3, 1731; Dreyhaupt 2, 170 [„Heinrich Otto"]; Matrikel Erfurt, H. 10, 23; Matrikel Jena 2, 471; Matrikel Halle, 263; Canstein/Francke, 376f. 539; Wotschke, Ostfriesland 1, 90; Briefe Leutholfs an Francke 1703-1723, AFSt/H C 295: 1-27).
12 Wohl Anna Rosina Helmershausen, geb. Leutholf (gest. 1712), Frau oder bereits Witwe des Tuchscherers Georg Daniel Helmershausen in Weimar (vgl. Anna Rosina Helmershausen an Francke, 22.10.1703, AFSt/H C 578: 1; Heinrich Gottlieb Leutholf an Francke, 29.5.1712, AFSt/H C 295: 18; Waisenalbum, 51, Nr. 298 [Eintrag zu Sohn Christoph Heinrich Helmershausen, 1704 aufgenommen]).
13 Johann Christoph Zerbst (26.10.1643-31.5.1719), geb. in Wenigenlupnitz; seit 1691 Generalsuperintendent sowie Kirchen- und Oberkonsistorialrat in Eisenach (DBA 1409, 162-168).
14 Da Zerbst von 1671 bis zu seinem Tode mit Sophie Margarethe, geb. Mylius, aus Oßmannstedt verheiratet war (Auskunft LKA Eisenach), kann nicht gemeint sein, daß Leutholfs Schwester seine Ehefrau war. Entweder handelt es sich also um eine Verwechslung (auch Leutholfs Schwester war vermutlich in Oßmannstedt geboren), oder die Bemerkung ist so zu verstehen, daß eine verwandtschaftliche Beziehung anderer Art zwischen Frau Helmershausen und Superintendent Zerbst bestand und eine materielle Absicherung in offenbar einfachen Verhaknissen (s. Anm. 12) bedeutete. Die Verwandtschaft ist denkbar, weil Zerbsts Mutter Katharina eine geborene Helmershausen war (Auskunft LKA Eisenach). k