Nr. 2/4 Ph.J. Spener an A.H. Fraticke 8. 5. 1700
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Die vorschlage wegen Herrn D. Fischers belieben mir alle drey 8 , und sind zwey darvon ohne das meine eigne absichten geweßt 9 . Was die Gen[eral] Superintendentz anlangt, ist vor mehren jähren bereits etwas davon auff dem 20 tapet bey Herrn von Danckelmann 10 gewesen, und wäre die sache leicht richtig worden, wo er lust darzu gehabt, und sich erst von Schweden loß gemachet hätte. Es laßet sich aber dismal nichts darvon vornehmen, biß erst die commission wol geendet, daher hier noch nicht gegen ihn anregung darvon thun wollen. Die predigt anlangend" ist solches allerdings nöthig: und 25 hat Herr Vicecfantzler] vor einem jähr selbs darvor gehalten, man würde eines fremden Theologi benöthigt sein, der nach endigung der sache in einer predigt der gemeinde vortrüge, was außgerichtet, u. wie sie alles anzusehen hätten, um die gemüther wieder zu einer harmonie zubringen. Es wird auch die absieht sein in der Instruction mit den Worten: nicht weniger das von der 30 gemeinde gefaßte ärgernus auff bequeme weise abgethan werde: 12 es kan aber auch darüber kein außtrücklicher befehl kommen, biß erst die commission etwas mehr außgerichtet. Ich laße mir im übrigen auch den Vorschlag wegen der Visitation der Glauchischen gemeinde 13 wolgefallen, doch finde rathsam noch etwa 8 tage darmit inzuhalten, so will es alsdan selbs recommendiren. 35 Was aber vor andre dinge projectirt worden sein mögen, will ich nach belieben noch erwarten 14 , und soweit mit beytreten als ich kan. Der Herr zeige in allem seinen willen, und führe denselben kräfftig hinauß. 15 Wegen des minist[erii] puneten gegen die facultet 16 ist mir sehr lieb, das sie sich schon getrennt haben 17 : wäre gut, wo sie in gelfiebten] Bruders besonderer sache 40 auch sich etwas trenneten.
27 /in/. 33 /wegen/: (..?>. 40 | getrennt |.
lauert, der gefährliche Meeresstrudel Charybdis (H. Hunger, Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Wien 8 1988, 485).
8 Francke wünschte, daß Fischer Generalsuperintendent im Herzogtum Magdeburg werde (vgl. zuletzt Brief Nr. 210, Z. 7—11), eine Visitation in der Glauchaer Gemeinde durchführe (s. Brief Nr. 210, Z. 12—17 und Anm. 7) und am Ende der Kommission in der Marktkirche predige (s. Brief Nr. 213, Z. 13-16).
9 Spener meint wohl die Generalsuperintendentur und die Predigt in der Marktkirche (vgl. bis Z. 33).
'" Wohl Eberhard Christoph Balthasar von Danckelmann (s. Brief Nr. 13, Anm. 8).
11 S. Anm. 8f.
12 Instruktion der Kommissare vom 20.3.1700 (s. Brief Nr. 200, Anm. 1).
13 S. Anm. 8.
14 Zu Franckes Projekt s. Brief Nr. 213, Z. 4-8 und Anm. 4.
15 Vgl.Jes 28,29.
16 Votum des Stadtministeriums gegen die theol. Fakultät vom 22.4.1700 (s. Brief Nr. 212, Anm. 5).
17 Das Votum des Stadtministeriums, das maßgeblich von Wolfgang Melchior Stisser (s. Brief Nr. 81, Anm. 10) verfaßt worden war, hatten 4 der 9 Halleschen Pfarrer nicht unterschrieben: die Pfarrer an Unser Lieben Frauen Friedrich August Jahn (s. Brief Nr. 34, Anm. 4), Christian Semler (1654-1709) und Johann Georg Francke (1669-1747) sowie der 3. Pfarrer an St. Moritz