Nr. 214 Ph.J. Später an AM. Francke 8. 5. 1700
749
Morgen gehet auch von hier um zu ihnen zureisen Herrn M. Prätorii zu Wollin 33 , der ob suspicionem Pietismi so lange Suspension unschuldig leiden müßen 34 , und endlich wider restituiret worden, Sohn 35 , der ihres orts studiren will. Der vater hat mich gebeten ihn den Herren professoribus 36 zu recommendiren, so hiemit thun wollen, und bitte auch gegen Herrn 60 D. Breithaupten dergleichen zugedencken: an den zwahr nechst gleiches melden will. Ich erinnere mich auch nicht gewiß, ob ich Herrn Bleibtreu 37 neulich recommendirt, den ich in Franckfurt am Mayn samt seinem Vater 38 einen Juden getaufft, und ihm weil er sich auch nach Halle verfugen will, recommendation versprochen habe. Es wird ihn aber Herr profjessor] 65 Michaelis 39 auch in Franckfurt haben kennen gelernet, und sich hoffentlich seiner annehmen.
Was meine responsa 40 anlangt hoffe gleich nach pfingsten eine gute partey zusenden, damit der anfang im truck gleich gemacht u. auff Mich[aelis] fertig werde 41 . Der Herr verleyhe gnade darzu: in deßen treue obhut, segen und 70 regirung mit gantzem lieben hauß und wehrten Herrn collegis empfehlende verbleibe
Meines Hochgeehrten Herrn u. gel[iebten] Bruders zu gebet u. liebe williger
Phfilipp] J[acob] Spener D. Mppria. 75 Berlin den 8. Maj. 1700.
Wie bezeugt sich Herr M. Drachstett 42 ?
33 Christoph Friedrich Prätorius (um 1630-26.5.1729), geb. in Stettin; 1669 Studium in Leipzig (1672 Magister); 1677 Pfarrer an St. Georgen in Wollin, 1709 bis 1714 Pfarrer und Präpositus in Neustettin (DBA 976, 90-94; Jöcher 3, 1746; EB 6, 789f; Matrikel Leipzig, 340; Pfarrerbuch Pommern 1, 664; 2, 266).
34 Prätorius war von 1697 bis Neujahr 1700 vom Amt suspendiert gewesen (vgl. AFSt/H D 75 „Prätoriana" [1092 S.]; Wotschke, Pommern 1, 48-55).
35 Christoph Prätorius (9.2.1681-14.4.1710), geb. in Wollin; 1700 Studium in Halle, 1702 Aufnahme in das Collegium Orientale, 1707 Magister ebd.; 1708 Adjunkt seines Vaters und Gymnasiallehrer in Neustettin (Matrikel Halle, 338; „M. Christoph Praetorij Ministerij Candidati Kurtzer Lebens Lauff", Stettin 15.4.1710, AFSt/H A 144: 139-142).
36 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36) und Paul Anton (s. Brief Nr. 1 10, Anm. 64).
37 Johann Wilhelm Bleibtreu (s. Brief Nr. 209, Anm. 5).
38 Philipp Johann Bleibtreu (s. Brief Nr. 209, Anm. 6).
39 Johann Heinrich Michaelis (s. Brief Nr. 148, Anm. 8).
40 Bed. 1 (s. Brief Nr. 150, Z. 9f).
41 Die Vorrede des 1. Teils der Theologischen Bedenken datiert vom 16.9., die Widmung vom 23.9.1700.
42 Johann August Drachstedt (s. Brief Nr. 50, Anm. 28) war seit 1699 Prediger in Niemberg bei Halle.