Nr. 219 Ph.J. Spener an AM. Francke 24. 5. 1700
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Er hat lust an ihrem ort zu leben, und sich also auff mein gutachten zu der reise resolviret, ob er wol die geringste mittel zur subsistentz nicht hat; ich habe ihn aber gestärckt in seiner intention, nicht allein weil sonsten soviel dörfftige ihres orts unterhalten werden, sondern auch weil ich darvor halte, das er sein brodt wol mit nützlicher arbeit verdienen kan, sonderlich wegen der sprach, in dem die rechte Ungarische sprach seine muttersprach ist, solche aber zu lernen, hat man in Teutschland weniger gelegenheit als die Englische, und müßen die OberUngarn gemeiniglich ihre Kinder um der sprach willen in NiderUngarn schicken. Weilen aber gar selten einer auß solchen orten hin- auß komt und studiren kan, so stehets mit den Ungarischen kirchen in dem königreich selbs und in der Türckey (da sehr viele und sie im übrigen freyer) sehr schlecht. In dem sie nur in ihren schulen lernen, darnach Schulmeister werden, endlich ihre gemeinden sie zu predigern ordiniren laßen: Sölten aber entweder gebohrne Ungarn, wie dieser ist, oder andre die der sprach mächtig wären, mit einer rechtschaffenen erkentnus der Wahrheit hineinkommen, würde das werck des Herren an solchen orten (sonderlich in der Türckey, wo weniger hindernus) bald mit krafft fortgehen, und ein neues Hecht anbrechen. Darzu möchte dieser mensch, mit liebe aufgenommen und weiter gebracht, einige anlaß geben sowol durch unterrichtung fähiger studiosorum in der sprach, als auch einmal selbs durch treuen dienst. So werden solche gemeinden, vor die kein mensch sorget, einiger solche hülffe würdig sein, und vielleicht ein kleiner anfang eine größere thür öffnen.
Der Herr aber zeige selbs seinen rath u. willen, und führe auß, was von ihm ist. Wormit deßen heiliger regirung überlaßende verharre
Meines Hochgeehrten Herrn Gev[attern] und gelfiebten] Bruders zu gebet und liebe williger
Philipp Jacob Spener D. Mppria.
Berlin den 24. Maj. 1700.
Sfeiner] HochEhrwfürden] Herrn Herrn August Hermann Francken Sanc- tissimae Theolfogiae] proffessori] publfico] ordinjario] auff Hochlöbl[icher] universitet zu Halle, und pastori zu Glauche. Glauche an Halle.
33 /geben sowol/.
Straßburg (1673 Dr. theol.); 1673 Freiprediger in Straßburg, ab 1695 Diakon an der Neuen Kirche ebd. (DBA 1077, 324f; Jöcher 4, 81; Zedier 33, 1571; Pfarrerbuch Elsaß, 463f, Nr. 4448).