786 Nr. 227 A.H. Francke an Ph.J. Spencr 7. 9. 1700

227. A.H. Francke an Ph.J. Spener

Halle, 7. September 1700

Inhalt

Erwägt den Vorschlag, daß Johann Adolph Frohne Inspektor des Stadtministeriums wird. Be­richtet von der Rückkehr Heinrich Wilhelm Ludolfs nach Amsterdam.

Überlieferung

A: AFSt/H D 66: 469 D: Kramer, Beiträge, 464

Halle den 7. Sept. 1700. Theurester Vater in dem Herrn,

Herr Dr. Breithfaupt] 1 hat bey jüngster post von Herrn Dr. Frohnen 2 ge­schrieben 3 , aber die Sache mag darauff gemünzet seyn, daß Elector 4 nur in

5 genere die vorgeschlagene personen approbire, und dann würde man Dr. Frohnen wol sitzen laßen und den schlimmsten 5 nehmen. Dieser dolus könte großen Schaden bringen. Könte es mit Herrn Dr. Frohnio noch angehen, wie denn der Mann würcklich sein Ja-wort von sich gegeben es zu acceptiren wenn die vocation an ihn käme, so wäre es etwa ein Vorschlag, daß Er titulum

io Superintendentis, den er bißhero gehabt, behielte, und würde superintendens über das Ministerium Hallense, Herr Dr. Fischer 6 dann in eodem collegio Ministeriali General-Superintendens wie auch specialis über den Saal-Kreiß. Es könten ja dann auch wol Herrn Dr. Fischern gewiße Predigten in Halle adsigniret werden, vielleicht in allen Kirchen, welches großen Nutzen haben

15 würde. Auch würde wol trefflich gut seyn wenn der Herr Dr. Fischer nur hier je eher je lieber hier im Consistorio und sonst possession nehmen möchte,

11 /collegio/ : consessu. 15 hier ]D.

1 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

2 Johann Adolph Frohne (11.1.165212.11.1713), geb. in Eigenrieden bei Mühlhausen; Studium 1669 in Jena (1673 Magister) und 1670 in Erfurt; 1676 Adjunkt der philos. Fakultät in Jena; 1678 Rektor in Lemgo, 1680 Pfarrer ebd., 1684 Diakon in Mühlhausen, seit 1691 Super­intendent ebd.; 1693 Dr. theol. in Gießen (DBA 355, 204-206; Jöcher 2, 779f; EB 2, 1273f; Matrikel Jena 2, 283; Matrikel Erfurt, H. 9, 86; Pfarrerbuch KPS 3, 162).

3 Nicht überliefert. Es ging um die Nachfolge von Olearius im Amt des Inspektors über das Stadtministerium.

4 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11). 3 Gemeint ist wohl Gerhard Meyer (s. Brief Nr. 190, Anm. 17). 6 Johann Fischer (s. Brief Nr. 116, Anm. 52).