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Nr. 250 AM. Francke an Ph.J. Spetier 1. 8. 1702
250. A.H. Francke an Ph.J. Spener
Halle, 1. August 1702
Inhalt
Äußert sich zu Person und Anliegen Georg Friedrich Schnaderbachs. — Sendet Beilage von Johann Heinrich] Alberti. — Berichtet von Anwesenheit des Schotten Thomas Kennedus.
Überlieferung
A: AFSt/H A 113: 8-9 D: Kramer, Beiträge, 475
Halle den 1. Aug. 1702.
HochEhrwürdiger p. Im Herrn theurester Vater, und sehr wehrtgeschäzter Herr Gevatter,
Ich hatte dero letzteres' Herrn Schnaderbachs 2 vornehmen betreffend 3
5 längst beantworten sollen, hoffe aber daß durch den Verzug, den meine anderweitige überhäuffung und auch wohl einige vergeßenheit verursachet, nichts werde geschadet seyn. Es hat der liebe Mann schon vor geraumer Zeit dergleichen proposition gethan, da ihm aber geantwortet, wie es so gar nicht seyn könne, wo wir nicht hundert andere incommoda erwarten wolten. Daß
10 er aber nun ein testis orthodoxiae nostrae seyn wil, ist gewiß gar unzulänglich, denn wir lesen ja öffentlich und haben vor der Cantzel und Catheder testes genug; so muß er erst von uns ein testimonium nehmen, wann wir ihm das lesen verstatten sollen; und kehren sich traun diejenigen welche der Lügen so gern glauben, wenig an gute testimonia. Es ist ja auch jetzo stille u. sind
15 wenigstens keine öffentlichen inculpationes mehr vorhanden.
Sonst verhält sich der Herr Schnaderbach noch gar nicht widrig und bleibet uns gute hoffnung von ihm, möchte nur erst eine rechte Verleugnung der Welt sich bey ihm finden, von welcher ihn sein Weib 4 nicht wenig zurückhalten mag, daher auch wol wenige ein recht vertrauen zu ihm faßen.
20 Der Herr helffe ihm weiter aus Gnaden.
6 auch wohl ] + wohl auch: D. 10 gar]+zu:D. 18 sich ] +erst: A [Dittographie]. 18 finden ] einfinden: D.
1 Speners Brief vom 1.7.1702 (Brief Nr. 249).
2 Georg Friedrich Schnaderbach (s. Brief Nr. 249, Anm. 6).
3 S. Brief Nr. 249, Z. 9-29.
4 Magdalena Schnaderbach, geb. Milde (gest. vor 1715), seit 1696 Ehefrau Georg Friedrich Schnaderbachs (Auskunft Pfarrerkartei der KPS).