wenig sind wohl derselben, die ihr Predig Amt also auf Leib undt
Leben anfangen. Daher, wenn einer ist, der dem Teuffel behertzt auf
den Nacken kniet, so schreien sie alle, man gebrauche keine prudentiam
Christianam, man könne mehr niederreißen als erbauen, und wenn
mans beym Licht besiehet, so ists nicht anders, als daß man die we-
ge Gottes weder kennet noch kennen will, sondern nur ein Predi-
ger bei guten tagen seyn will, und sich durch Menschen Furcht schrec-
ken läst, das Werck eines Evangelischen Predigers getrost auszurichten.
Das κακοπάθησον, darvon Paulus seinen Thimotheo so viel sagt
2. Tim II. will so gar wenig in den Kopff. wenn aber dieses alles
bey einem Menschen vorausgesetzt ist, so sage ich mit allem Ernst,
daß er umb einen Pfarr-dienst anhalten könne. Aber so wird
denn auch eben solches Anhalten eine große und sonderbahre
Krafft des Glaubens seyn, daß nemlich einer, den Gott sei-
nes Heil. Geistes und deßen Gaben gewürdiget, und der nach
seinem inwendigen Menschen zu einer männlichen Stärcke und Grö-
ße gediehen, ohn alles Absehen auf zeitliches Gut und Ehre, bloß u.
lauterlich zur Ehre seines Gottes, und seinen armen neben menschen
zu dienst, ob er gleich die hohe würde des Heil. Predig-Amts samt
deßen Bürde und bevorstehenden schweren und gewiß unausbleiblichen
Verfolgungen (denn ein diener Christi kann der Welt nicht gefallen)
vor Augen sehe, und wohl erkennete und behertzigte, deßen ungeacht es
dennoch auff Schmach, Schande, Spott, ja auch Leib und Leben getrost
ankommen liese, und aus gewißer Überzeugung und kräfftigen innerli-
chen Ruff Gottes umb einen Prediger-dienst anhielte: Das, sage
ich, ist gewiß eine große Krafft des Glaubens, deren sich der tau-