Vieles mit Gedult zu tragen,
und zu übersehen, damit man
nur einigermaßen die Ein-
trächtigk. erhalte, alß daß
man allzu gerecht sey, oder
alles erinnere und bestraffe, was
man etwa unlauteres an die-
sem oder jenem zu finden
vermeynet; deßgleichen wie es
so leicht geschehe, daß der Arg-
wohn die Liebe in den Gemüthern
schwächet, und was dergleichen
mehr ist, sonderlich lernet
man in solcher Schule Demuth,
Gedult und Sanfftmuth,
und wenn man im Gebeth be-
ständig beharret, und nicht
aufhöret gegen die Anfechtung
zu kämpfen, dabey aber sich
in der rechten Gelaßenheit übet,
und auf den HErrn harret,
so siehet man da endlich
mit Freuden die Herrlichkeit
des HErrn, oder man erfährt
seine wunderbare Hülffe,
und wird durch solche Er-
fahrung zu einem recht
gesezten Wesen des Glaubens
und der Liebe gebracht.
Wenn man im Anfange es
am allerbesten mit dem Wercke
Gottes meynet, und am alle-
redlichsten mit Gott und Menschen
handeln will, so fällt man
gar leichtlich in eine unzeitige