P. S. Da wir nun das heilige WeynachtsFest durch Gottes Gnade im Segen zurück
gelegt haben, und die ietzigen Schiffe erst in etlichen Tagen abfahren werden, so kan
noch folgendes hinzu thun. In dem WeynachtsFest hat uns Gott äuserliche Ruhe und
Stille, mäßige Witterung, nöthige Leibes Kräffte geschencket zu unserer Erbauung
zusammen zu kommen und diese wichtige Zeit mit singen, beten, Betrachtung und
Lesung des Wortes Gottes zuzubringen. Die äuserliche gute Ordnung, welche
unsere Zuhörer in Besuchung und Abwartung des öffentlichen GottesDienstes
beoobachten, ob sie wol nicht die Hauptsache ist, dienet solche doch zur Bevörder-
ung der Erbauung und ist angenehm. Da ich in diesem Jahre allemal des Nach-
mittags einen Spruch von denen welche unsere Jugend auswendig gelernet, zum
Grunde meiner Catechisation lege, so hat mir 1 B. Mos. 3,15. Gelegenheit gegeben
mich mit Betrachtung des Liebes-Willen Gottes gegen die gefallene Menschen zu
beschäfftigen. Es hieß wol gleich nach dem Fall bey Gott; mein Hertz bricht mir
gegen sie, daß ich mich ihrer erbarmen muß. Wie sehnlich wünschet mein Hertz, daß
sich doch ein jeder durch die erbarmende Liebe Gottes reitzen laßen wolle, nicht in
seinem Fall liegen zu bleiben! Da wir ja nun sollen, (denn Gott wills haben) und
auch können (denn dazu hat Gott Rath geschafft) von demselben wieder aufstehen.
Manche Seelen sind uns mit ihrem rechtschaffenen Wesen eine große Erquickung, hingegen
erleben wir auch an einigen betrübte Dinge, unter diesen sind auch junge Leute, die
hier mit allen Fleiß unterrichtet und zum Heiligen Abendmahl admittiret worden sind.
Jedoch ist Gott zu preisen, der seinen armen Knechten beygestanden und geholffen, daß
bisher noch keine Aergerniße eingerißen oder überhand genommen.
Hieraus belieben Euer Hochwürden mit wenigen zu erkennen, wie das gedachte Wey-
nachtsFest hier ist zurückgeleget worden.
Von der im Briefe gedachten Einrichtung erwehne noch, daß die Lehrer in Ansehung des
Heiligen Abendmahls um ihres Gewißens willen wollen freye Hand behalten, und lieber
solche
Leute, die sich guter Ordnung wiedersetzen, von Heiligem Abendmahl abhalten, als daß
solche
solten gehalten werden etwas am Gelde zu erlegen.
Am Ende des Octob. haben 4 Herren Gouverneurs, nehmlich von Georgia, Süd- und Nord-
Caro-
lina und Virginia einen Congress mit den Häuptern einiger Indianischen Nationen auf
königliche Ordre gehalten, und den Frieden mit ihnen erneuert. Die Creek-Indianer
so unsere //am// nächsten sind, haben von freyen Stücken den Engländern einen großen Strich
von ihrem Lande abgetreten, welches man als ein Zeugniß ihrer friedlichen Gesinnung
ansiehet, da man vorher wegen dieser Nation etwas in Sorgen war. Welches denn
für uns eine große Wohlthat. Ich muß nun abbrechen, und Euer Hochwürden mit Dero
gütigsten
Erlaubniß bitten, mich mit einer kleinen Portion der Ess. amar. künfftig zu bedencken, als
welche mir sonderlich in Ruhrfällen sehr gut gethan hat.
Den 30 Dec. 1763