Die Ostindischen Nachrichten sind uns allemal sehr erwecklich. Herr Doerbaum
ein Canditatus Juris, ein Mann von mittlerem Alter und wohlgesetzt, welcher,
wie es das Ansehen hat, nicht ohne göttliche Fügung an unsern Ort gekommen,
erzehlet mir höchst betrübte Dinge von dem Zustande und der Aufführung
der meisten teutschen Leute in Pensylvanien und was daher die dortigen
Knechte Gottes zu leiden haben, wofür man sich entsetzen muß. In Charles-
Town und in Congrees in dem hintern Theil von Carolina gehe es noch
schlimmer zu. Woran die selbst gelauffene Prediger, die manche Excesse
begehen, mehrentheils Schuld seyn sollen. Dieses muß uns zum Mittleiden
und Fürbitte erwecken. Unsere Einrichtung gefällt dem Herrn Doerbaum
sehr wohl.
In Ansehung Ihres Schluß-Wunsches hat es dem HErrn anders gefallen.
Es ist dem lieben Herrn Pastor Bolzio nun recht wohl. Er hat seine Arbeit treu-
lich gethan, seinen Lauff vollendet und ist in die Freude seines HErrn
eingegangen. Die hinterlaßene Frau Wittwe und Tochter finden sich
ziemlich wohl. Meine Umstände sind überall sehr enge eingeschrenckt,
daß ich also dieses mal schließen muß.
Wir grüßen den theuersten Herrn HofPrediger mit vielen hertzlichen
und brünstigen SegensWünschen und empfehlen uns in Deroselben fernere
wertheste Fürbitte; um diese ersuchen wir auch Euer HochEdlen und hiermit
empfehle Sie der ewigen Liebe unsers Erlösers, der ich allezeit verharre
 
Euer HochEdlen
Meines Werthgeschätzten Herrn und Gönners
 
 
zu Liebe und Gebet schuldiger und
verbundenster
 
H. Heinrich Lemcke.