erinnerte; Wie man sich als ein bloßes und schwaches Kind, daß ihm selber
nicht helffen könne ansehe, und im gäntzlichen und gläubigen Anfangen an
dem HErrn Jesu von ihm alles was man nöthig hat erwarte und empfangen //müße//,
daraus denn die wahre Demuth fließe. Welches mir damals zwar wol
ins Gemüthe drang aber nicht so geschwind gefaßet wurde, als es mir
nun nach und nach in die Augen leuchtet. Je mehr nun an der Armuth
des Geistes bey einem Gott gefälligen Christenthum gelegen ist, desto mehr
Ursach finde ich für dem Unterricht und Erweckung so Euer Hochwürden
mir in Dero werthesten Briefen disfals geben, hertzlich zu dancken,
welches bey mir in der Befleißigung einer so seligen Eigenschafft
eines wahren Kindes Gottes nicht wenig beyträgt. Gott ersetze
nur Dero Kräffte, welche Sie darauf wenden und vergelte Dero
Arbeit und Liebe mit reichen Segen an Leib und Seele. Se[hr] ein-
drücklich war mir auch die Erinnerung wegen der Treue so man der
iugend vorzustehen, beweisen soll, und wie man dabey auch aufs künfftige
zu sehen habe, welche mir in manchen Stücken gute Dienste thut. Ich schäme
mich so offt ich an mein verdorbenes Hertz, und viele Sünden gedencke,
an meine Nichtigkeit und Schnödigkeit, und Gott mich doch als ein
Werckzeug hat brauchen wollen an andern zu arbeiten, und wolte
ich ia gerne in dieser Arbeit nichts ferner versäumen oder versehen,
zumal da auch comparative die kleinste Untreu nichts denn Unruh
im Gewißen nach sich läst und die Zuversicht zu Gott zum Schaden
seiner selbst und anderer schwächt. Ubrigens wird mir es zur k[ün]fftigen
Aufmunterung dienen, wenn auch nur ein Paar Zeilen von meinem
theuresten Herrn Doctore lesen kan, da mir gar wohl bewust ist,
was für eine Bürde auf Dero Schultern lieget, worunter Gott
Dieselben gnädiglich stärcken auch uns und seiner Kirchen zu Gut noch
lange erhalten wolle.
So kurtz als mir möglich gedencke nun noch einiger äusern Dinge.
Es ist mir eine Freude, wenn unsern theuersten Vätern und Freunden
einen Gefallen thun kan, daher werde bey Gelegenheit nicht ermangeln
in Sammlung und Ubersendung einiger Naturalium, wie
Euer Hochwürden verlangen, fortzufahren, wozu es mir nicht an
Lust aber wol an Geschicklichkeit und vielmals auch an Zeit fehlt,
hoffe aber Euer Hochwürden werden es mir zu gute halten, wenn es ohne
meine vorsetzliche Schuld langsam und unvollkommen geschiehet.