Es kam uns anfänglich schwehr an, ihn anzunehmen, weil er aber
bezeugete, daß er mit unsern gringen Umständen gern zufrieden
seyn wolle, so räumete ihm ein Plätzlein ein. Er informirt
ietzt unsern Sohn in der Latinitaet und weil er die hallische Me-
thode hat, so geschiehet mir dadurch ein großer Dienst, und wünsche
seine bisher bewiesene Treue und Fleiß mit etwas vergelt[en] zu
können. Sein Herr Vater war Prediger im Hanauischen.
Ich sehe dieses nicht von ungefehr an, sondern als eine Fügung vom
HErrn, da ich Hülffe nöthig gehabt habe. Er liebet die Stille,
ist wol zufrieden, kan sich in allerley Umstände schicken, daher
wäre unser Ort wol für ihn, wofern das Clima seiner Ge-
sundheit zuträglich wäre, da er schon ziemlich bey Jahren ist.
Es hat bisher eine jede Obrigkeit in den Colonien mit Zutrit
einiger deputirten des Landes die Gesetze gemacht, und hat weiter
hernach nichts bedurfft als des Königs Approbation, da nun
aber die Stämpel-Acte in England gemacht ist und den Leuten hier
aufgedrungen werden soll, so siehet man solches an, als eine
Kränckung der Freyheit und besorget davon übele Folgen,
um deswillen ist nun die Unruh hier sehr groß, so daß
man wol zu bitten hat, Gott wolle aus Gnaden ein Einsehen
haben. Unsere Leute haben bisher Vorstellungen angenommen
und sich ziemlich ruhig gehalten. Es ist aber einer dabey fast nicht
sicher. Mit demüthigster Begrüßung verharre
Euer Hochwürden
gehorsamst ergebenster
H. Heinrich Lemcke