Scharschmidt Übersetzung S. 724

[724a]
Obwohl ich nur zwei- oder dreimal deine Gesellschaft bei meinem überaus lieben damaligen Gastgeber in Moskau, Herrn Dr. Blumentrost, genossen habe, habe ich dennoch nicht zugelassen, dass die Erinnerung an dich in meinem Geist getilgt wird, ja vielmehr habe ich die herzliche Bitte vor Gott gebracht, dass er dich weiter zu einem Werkzeug seiner himmlischen Gnade bereiten möge, damit du nicht nur selbst täglich in der Erkenntnis der himmlischen Wahrheit fortschreitest, sondern auch anderen, die im Schatten des Todes und in Finsternis wandeln, das Licht des Evangeliums vorauszutragen vermagst. Ich zweifle nicht daran, dass du über dem Hinzulernen fremdländischer Sprachen schwitzt, aber streng dich unter dem Beistand der göttlichen Gnade an, den Namen des Herrn auch in diesen weiter bekannt zu machen. Ich habe diesem Brief Franckes Handleitung zum Christentum und ein Manuskript beigefügt, aus denen du mit Freude ersehen kannst, wie sehr in Halle in Sachsen neben den wissenschaftlichen Studien die Frömmigkeit erglüht. Sorgfältig verfasste und gründlich durchdachte Sendschreiben können oft von größerem Nutzen sein als weitschweifige Bände. Und (wie Augustinus sagt) "eine in die Länge gezogene Rede findet häufig kein Verständnis und wird, solange sie nicht verstanden wird, von Unkundigen nicht gut behalten." Wenn dieses kurze Büchlein nach deinem Geschmack ist, dann sorge dafür, dass es in andere Sprachen übersetzt wird, sei es in die griechische oder in die persische usw.; sorge dafür, dass auf jede Weise die Ehre des Höchsten gefördert wird. Wenn du, mein Br., mich irgendwann etwas über deine Lage und eure Verhältnisse dort wissen lassen könntest, wäre mir das sehr willkommen; wenn du die Absicht hättest, etwas zu schreiben, könnte es, wenn sich die Gelegenheit bietet, bald darauf an Herrn Dr. Blumentrost geschickt werden und würde von dort sicher in meine Hände gelangen. Von meiner Berufung an die deutsche Gemeinde in dieser Stadt hast du noch in Moskau gehört, aber die Sache ist ganz anders ausgegangen, als damals davon die Rede ging. Auf wiederholte briefliche Einladung und Aufforderung durch Pastoren und Gemeinde bin ich hierher gelangt, doch ist es unmöglich zu erzählen, wie die beiden deutschen Pastoren H. und H. mit Händen und Füßen beharrlich alles tun, damit ich bald weit weg von hier, weit weg von hier und weit weg von dieser Bürgerschaft bin; daher wird aus dieser meiner Beförderung, wie es scheint, nichts werden. Herr Superintendent Dr. Lange steht auf meiner Seite, aber irgendwie ist es dennoch dazu gekommen, dass diese Leute beim Konsistorium ihren Willen durchgesetzt haben, mir eine Ablehnung zu schicken, was nun geschehen ist. Unterdessen habe ich, solange ich hier gewesen bin und weil der Lenker aller Dinge

[724b]
dazu Hilfe brachte, so für die Wahrheit gezeugt, die in Christus Jesus ist, dass sich die Früchte davon auf lange Zeit, wie ich hoffe, zeigen werden. Das Himmelreich leidet Gewalt, und diejenigen, die demselben Gewalt antun, ziehen es an sich. Daher wird derjenige, der sich bemüht, es zu verteidigen, sich nicht anders behaupten als "mit großem Kampf" usw.
Übersetzung: Thomas Hübner

Zurück